Historisches Fanpage-Archiv

Christian Klopp -Partraits

Bilder von Paaren….
…oder die Vertreibung aus dem PAARadies
Was, was soll denn das nun wieder heißen? Sie denken, jetzt kommt ein Bericht über die Fotoausstellung von Christian Klopp Paartraits – Portraits von Paaren. Kommt auch! Nur Geduld!
Viele interessierte Besucher waren im
Hans-Ralfs-Haus für Kunst und Kultur im AMEOS Klinikum, Wiesenhof, 23730 Neustadt
versammelt. Man begrüßte sich und hatte Gelegenheit, die vielen, vielen Fotos zu betrachten. Besonders faszinierend waren die im Raum schwebend angebrachten Fotosäulen mit den zahlreichen Bildern der Personen, die sich von Christian Klopp hatten ablichten lassen – noch unverfälscht.
Dann entdeckte man die Paartraits – die magischen Fotos von Paaren. Sagen Sie nicht, dass Sie nicht wissen, wer das ist.
Ist doch klar – oder????
Und – kennen Sie diese Paare? Auch die kennen Sie!! Mindesten eine von den abgebildeten Personen.
Dann eröffnete Anke Kessenich, die Leiterin des Hans-Ralfs-Hauses für Kunst und Kultur offiziell die Veranstaltung mit einer Rede, die so interessant und informell war, dass wir sie am Ende des Artikels mit ihrer Genehmigung veröffentlichen.
Christian Klopp war als Initiator des Ganzen Ereignisses als nächster Redner an der Reihe. Er philosophierte in humorvoller Art über die Gedanken, die ihn heute und bei seiner Arbeit ereilt hatten:
„Berlinale ist jetzt zu Ende – hier tanzt jetzt der Bär!
Liebe PAARE, LiebesPAARE, EhePAARE, ehemalige PAARE!
Ich danke Euch für den straPAARziösen Weg, die Ihr bei Eurer Anreise von weit her auf Euch genommen habt und Eure Teilnahme an der Ausstellung (PAARTIZIPATIOON).
Die Bilder, die hier hängen, und die Leute, die hier rumhängen, bekunden offenbar SymPAARthie für das Thema.
Es fing ja damit an, dass Adam und Eva aus dem PAARadies vertrieben wurden. Dem Garten Eden – nicht Rolf Eden! Dem Barbesitzer aus Berlin.
Sie mussten sich mit dem Augapfel der Erkenntnis auseinandersetzen.
Der aufgebaute PAARcours soll eine Erklärung des Ganzen darstellen – also eine TransPAARenz.
Das SäulenPAAR zeigt eine chronologische Bilderabfolge.
Die kleinen Bilder sind nach Themenkomplexen an der Wand geordnet.
PAARallel sind Vater/Sohn und Mutter/Tochter im SePAARé – APAARtments/PAARzelle als weiterfährendes Projekt – gerahmt mit PassePAARtouts angeordnet.
Ich mächte hier Olaf Unverzart zitieren: „Ein Foto sollte das können, was das Auge nicht kann“.
Bei dem Projekt gab es auch PAARe, die PAARtout kein Bild von sich haben wollten (PAARanoia). Bis hin zu Streit/Kappelei (engl. für PAAR: couple)
Aber dann: Versöhnung in der Stadt der Liebe: PAARis.
Wir können jetzt über alles PAARlieren und das PAARfait ist eröffnet…“
Wer nicht an der Eröffnung teilnehmen konnte, kann die Ausstellung noch bis 16. März 2012 Montag bis Donnertag von 9.00 bis 16,00 Uhr und Freitag von bis 9.00 bis 14.30 Uhr besuchen.
Am Samstag, dem 10. März von 13,00 bis 17,00 Uhr und am Sonntag, dem 11. März von 11,00 bis 16,00 Uhr wird Christian Klopp erneut im Hans-Ralfs-Haus anwesend sein und den Besuchern Fragen beantworten. Aber er möchte diese Termine auch nutzen, um weitere Paartraits aufzunehmen und würde sich über bereitwillige Modelle sehr freuen.
Und hier folgt die Rede von Frau Kessenich:
Herzlich willkommen meine Damen und Herren!

Ich freue mich sehr, Sie hier im Hans Ralfs-Haus für Kunst und Kultur begrüßen zu dürfen zur Eröffnung der Ausstellung „Paartraits“, Fotografien von Christian Klopp.
Fotografie ist für mich fast so selbstverständlich wie das Atmen. Das Auslösen einer Kamera fühlt sich immer an wie eine Erlösung, ein Aufatmen. Als könne es dem Abbau von Spannungen dienen.“
So beschreibt Christian Klopp seine Passion.
1963 in Hamburg geboren, war ihm schon als Kind die Welt der Fotografie sehr vertraut. Der Vater, leidenschaftlicher Hobby-Fotograf, beglückte die Familie mit regelmäßigen Dia-Abenden und zahlreichen Fotoalben.
Mit zwölf Jahren bekam Christian Klopp seine erste eigene Kamera und spätestens ab da lies ihn die Leidenschaft fürs Fotografieren nicht mehr los.
Nach dem Abitur wurde er Kameramann.
An diversen Produktionen war und ist er seitdem beteiligt.
Darunter Kinofilme von Dorries Dörrie oder Fatih Akin, Fernsehfilme wie „Tatort“ oder „Doppelter Einsatz“, TV –Serien wie „Ein Fall für zwei“ „Dr. Martin“ oder seit vielen Jahren „Küstenwache“.
Parallel dazu hat er jedoch immer auch begleitend die Stand- und Arbeitsfotos gemacht. Für die Produktion aber auch für sich, fast wie eine Art Tagebuch durch eine Welt mit viel Prominenz.
2006 nimmt Christian Klopp an der Pentiment-Sommerakademie in Hamburg an einem Portrait-Fotografie-Kurs von Herlinde Koelbl teil, eine der renommiertesten deutschen Fotografinnen und Dokumentarfilmerinnen Europas.
Dies, so sagt er, war der Auslöser für die Idee der „Paartraits“, der fotografischen Portrait-Reihe, um die es hier heute geht.
Portrait – was ist das eigentlich? Woher kommt das?
Blicken wir zurück: Das Wort Portrait stammt vom lateinischen Verb „portare“ ab und bedeutet soviel wie „Wegtragen“ / „Fortschaffen“.
Die ersten Portraits in vorchristlicher Zeit waren Totenmasken. Also Abbildungen eines menschlichen Gesichtes, welches man wegtragen oder mit sich herumtragen konnte.
Im Verlauf der Jahrhunderte haben sich zahlreiche Maler, Grafiker und Bildhauer auf vielfältige Art und Weise intensiv mit der menschlichen Portraitdarstellung befasst. Ob als Skulptur oder als Malerei. Als Selbstportrait, als Frontansicht oder als Silhouette, als Einzelportrait oder als Doppelportrait – es gibt sie in fast jeder Form.
In den frühen Portraitdarstellungen von der Antike bis zum Mittelalter, ging es jedoch weniger um die genaue Wiedergabe der Gesichtszüge eines Menschen, sondern eher um eine Idealform.
Die Bedeutung und die Stellung des Abgebildeten – zumeist ein Herrscher– sollte betont und hervorgehoben werden. Um das zu erreichen, wurde an der einen oder anderen Stelle auch schon mal in der Darstellung „geschummelt“.
Doch spätestens seit der Renaissance, in der sich das Selbstbewusstsein des Einzelnen, das „Ich-sein“, entwickelte, war die Absicht eines Portraits doch mehr und mehr die, einer möglichst genauen Darstellung des menschlichen Antlitzes, welche aber auch das Wesen des Portraitierten zum Ausdruck bringen sollte.
Im 19. Jhd. dann wuchs mit zunehmendem Einfluss des Bürgertums die Nachfrage nach wirklichkeitsgetreuen Abbildungen der eigenen Person und der Familie.
Die parallel dazu einsetzende Entwicklung der Fotografie fand mehr und mehr Interesse, waren hier doch neue Möglichkeiten für günstige und repräsentative Portraits gegeben. Die anfängliche Domäne der Malerei wurde somit spätestens im beginnenden 20. Jahrhundert zunehmend durch die Fotografie verdrängt.
Und noch etwas war nun anders: nun konnte man sicher sein, dass das, was abgebildet wurde, real war.
Das Foto hielt gnadenlos den „Ist-Zustand“ fest. Es konnte nicht mehr „geschummelt“ werden. Das Foto war „wirklichkeitsgetreu“.
Anders als heutzutage, wo die digitale Revolution dafür gesorgt hat, dass man in der Fotografie mit geeigneter Software jedes Bild nachbessern oder manipulieren kann. Der Wahrheitsaspekt einer Fotografie ist mehr als zweifelhaft geworden und längst kein Garant mehr für Echtheit.
Und nun kommt Christian Klopp und stellt uns seine Reihe von Portraits vor und nennt sie kühn „Paartraits“.
Schon dieser Titel kündigt an, dass wir uns hierbei etwas denken sollen. Das Wortspiel gibt deutliche Hinweise: ein Paar sind zwei. Also lässt sich vermuten, dass es sich hierbei um Doppelportraits handelt. Die Darstellung zweier Menschen auf einem Foto.
Schauen wir uns die Fotos in dieser Ausstellung an, so stellen wir fest, dass das irgendwie stimmt, aber dann auch wieder nicht.
Zwei Menschen auf einem Foto, richtig – doch ist eigentlich nur einer zu sehen!
– dennoch ein Doppelportrait, nur – übereinander.
Wie das geht?
Kein Problem, denken wir, heute doch alles digital möglich.
Aber so ist es nicht. Denn Christian Klopp fotografiert nicht digital, er fotografiert nach wie vor analog.
Er sagt „Ich verstehe die Faszination, die die digitale Fotografie auslöst. Andererseits setze ich bewusst einen Kontrapunkt, indem ich die Möglichkeiten der herkömmlichen, klassischen Fotografie hervorhebe und behaupte, dass die Art der Fotos, die ich mache, auf digitalem Wege nicht herzustellen wäre!“
Für seine Serie der „Paartraits“ bedeutet das konkret:
Christian Klopp fotografiert zunächst eine Person vor neutralem Hintergrund und, ohne den Film anschließend weiter zu transportieren, eine zweite Person auf die gleiche Weise. So kopiert er jeweils zwei Gesichter passgenau übereinander.
Nicht etwa in der Dunkelkammer bei der Entwicklung, sondern direkt in der Kamera verschmelzen mittels Doppelbelichtung zwei Aufnahmen zu einer. So entsteht eine Fotografie, die sich aus zwei einzelnen Bildern zusammensetzt.
Oder anders ausgedrückt: aus zwei Gesichtern wird eines, aus einem „ICH“ wird ein „WIR“.
„Der Aspekt, dass die Aufnahme erst nach der Entwicklung des Filmes beurteilt werden kann, übt einen gewissen Reiz auf mich aus“ sagt Christian Klopp, und „der Zufall spielt eine Rolle, die ich schätze. Es bleibt spannend, den Film aus dem Labor zu erwarten.“
Und es bleibt nicht nur für Christian Klopp spannend, auf das Ergebnis dieser Aufnahme zu warten. Auch für die Probanden dieses Experimentes, ist es sehr spannend.
Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Auch mein Mann und ich haben für Christian Klopp Modell gestanden und das Ergebnis hat mich gleichermaßen fasziniert wie auch irritiert.
Es beginnt ganz harmlos: ein lustiger Nachmittag mit Kaffee und Kuchen und fast wie nebenbei und doch hoch konzentriert, ein paar Klicks mit der Kamera.
Und dann, einige Tage später, dieses unerwartete Ergebnis. Ich halte ein Foto in der Hand und schaue auf ein Gesicht, das mir fremd ist und doch seltsam vertraut. Ich erkenne mich und ich erkenne meinen Partner und doch ist das Gesicht in das ich blicke, das einer dritten, mir irgendwie fremden, fast unheimlichen Person.
Fragen tauchen auf.
Das bin ich? Das ist er? Das sind – WIR?
Bin ich für andere – als Einzelperson – noch zu erkennen?
Ist das womöglich ein Blick in die Zukunft?
Heißt es nicht, dass zwei Menschen, die lange zusammen sind, sich immer ähnlicher werden? Ich dachte immer, das bezieht sich auf Kleidung (vornehmlich beige) oder Eigenartigkeiten im Verhalten. Aber ist damit auch das Aussehen gemeint?
Und ist das jetzt beruhigend oder erschreckend?
Werden wir durch diese Fotos in unserer Entwicklung manipuliert?
Hat das gemeinsame Aussehen Einfluss auf den Charakter des Einzelnen?
Wo sind wir hier hineingeraten?
Welche Logik, welche Sehstärken werden hier außer Kraft gesetzt?
Und welche Einbildungskraft in Gang?
Fragen über Fragen, von denen uns der Künstler heute vielleicht ein Teil beantworten kann.
Ich begrüße recht herzlich Christian Klopp, vielen Dank!“
Text und Fotos: emr