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Christian Patrick Doetsch – Regieassistent

Wann immer ich Christian Patrick Doetsch bei seiner Arbeit beobachten konnte, fiel mir auf, dass er die an sich widersprüchlichen Eigenschaften, die bei der Tätigkeit am Set unerlässlich sind, vereint:

Geschwindigkeit und Ruhe,

Konzentration und Gelassenheit,

energisches Durchsetzungsvermögen und Verbindlichkeit.

Ich bat ihn um ein Interview. Er war gern bereit dazu.

emr:

Wo und wann bist Du geboren?

Christian Patrick Doetsch:

Am 14.Juli 1973 in Düsseldorf.

emr:

Als Kind hat man ja oft viele Ideen, was man später werden möchte. Wie war das bei Dir? Was wolltest Du gerne werden?

Christian Patrick Doetsch:

Als Kind wollte ich Feldhockey-Olympiasieger werden.

Mein größter beruflicher Wunsch aber war es, Sportjournalist zu werden.

emr:

Jetzt bist Du Regieassistent. Du bist, wie das bei vielen Leuten beim Film auch gewesen ist, über zahlreiche, unterschiedliche Tätigkeiten schließlich Regieassistent geworden. War das mehr zufällig, oder hast Du dieses Ziel konsequent verfolgt?

Christian Patrick Doetsch:

Für mich gibt es keine Zufälle! Alles, was passiert, hat einen Sinn und ist auf eine Art vorbestimmt. Dennoch muss ich sagen, dass ich sicherlich nicht den direktesten Weg zum Film und zur Regieassistenz verfolgt und umgesetzt habe. In früheren Jahren waren andere Interessen und berufliche Vorstellungen vorhanden, die meinen Weg bestimmt haben. In den letzten Jahren habe ich allerdings erst als Set- und Motivaufnahmeleiter und dann als Regieassistent meine berufliche Bestimmung beim Film gefunden.

emr:

Die Aufgabe eines Regieassistenten ist sehr vielschichtig und die Vorstellungen über diese Tätigkeit sind außerordentlich unterschiedlich. Kannst Du uns beschreiben, worauf es im Wesentlichen ankommt?

Christian Patrick Doetsch:

Der Regieassistent arbeitet eng mit dem Regisseur oder der Regisseurin bei der Vorbereitung einer Produktion zusammen und hat Einfluss auf die künstlerische und technische Umsetzung eines Projektes. Er ermittelt anhand des Drehbuches die Dauer der einzelnen Szenen und stoppt diese vor, woraus die voraussichtliche zeitliche Dauer ermittelt werden kann, die zum Drehen der jeweiligen Szene benötigt wird.

Durch das Anlegen von sogenannten Drehbuchauszügen erstellt der Regieassistent eine Übersicht, was inhaltlich in der jeweiligen Szene passiert und was an den bestimmten Drehtagen benötigt wird. Diese Auszüge enthalten Informationen zu Schauspielern, Komparsen, wann und wo welche Szene spielt, welche Requisiten benötigt werden und welche Art von Kostüm die Schauspieler tragen müssen.

Vor Beginn der Dreharbeiten verschafft sich der Regieassistent zudem einen Überblick über das Angebot an Kleindarstellern, da die Besetzung dieser Komparsenrollen oft zu seinem Aufgabenbereich gehört.

Während der Dreharbeiten sorgt der Regieassistent zusammen mit dem Aufnahmeleiter für die Einhaltung des Drehplans, indem er den anderen mitwirkenden Abteilungen ihre Einsätze für einzelne Szenen im Voraus ansagt und deren jeweiligen Vorbereitungsstandüberprüft. Am Set gibt er die Kommandos und versucht somit, die Informationen über den Ablauf einer Szene und des Drehtages zu kommunizieren, damit alle Abteilungen und Kollegen informiert sind.

emr:

Wie bekommst Du Deine Aufträge?

Christian Patrick Doetsch:

Häufig funktioniert das über persönliche Erfahrungen und Kontakte zu den jeweiligen Regisseuren. Es gibt zu dem die Künstlervermittlung der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit, die wie eine Agentur Filmschaffende vermittelt.

emr:

Welche Voraussetzungen sollten erfüllt sein, um einen solchen Auftrag anzunehmen?

Christian Patrick Doetsch:

In erster Linie sollte es ein spannendes Drehbuch sein!

emr:

Wenn Du zugesagt hast, wie bereitest Du Dich auf das Projekt vor?

Christian Patrick Doetsch:

Ein intensives Auseinandersetzen mit dem Drehbuch ist das A und O zur Vorbereitung auf einen Film! Es kommt zudem darauf an, welches Thema das jeweilige Buch hat. In nicht seltenen Fällen ist hier auch das Lesen von Fachliteratur erforderlich, denn es ist nichts unangenehmer, als ein Thema nicht richtig und mangelhaft recherchiert zu erzählen. Hier helfen ebenso Fachberater, um einen vorzubereiten.

emr:

Hast Du, wenn Du das Drehbuch liest, eine feste Vorstellung, wie die Umsetzung sein sollte und kannst Du Deine Ideen in Abstimmung mit dem Regisseur einbringen?

Christian Patrick Doetsch:

Jeder Regisseur hat seine ganz eigene Vorstellung von der Umsetzung eines Drehbuchstoffes. Ich verstehe meine Aufgabe darin, die Vorstellungen und Wünsche des jeweiligen Regisseurs zu kommunizieren und realisierbar zu machen. Ich werde aber häufig nach meiner Meinung gefragt und kann so meine Vorstellungen einbringen und kundtun.

emr:

Du mußt sehr eng mit dem jeweiligen Regisseur zusammenarbeiten. Schon vor Beginn der eigentlichen Dreharbeiten – also in der Vorbereitungsphase – bist Du involviert. Wie funktioniert das im Einzelnen?

Christian Patrick Doetsch:

Unabhängig von einander bekommen Regisseur und Regieassistent die Drehbücher. Jeder für sich macht sich seine Gedanken über die Bücher. Der Regieassistent versucht nun, sich in den Regisseur zu versetzen, um die Wünsche und Vorstellungen umsetzen zu können. In intensiven Gesprächen werden diese Informationen und Vorstellungen abgeglichen und mit den jeweiligen Fachabteilungen konkret besprochen. Es wird relativ schnell deutlich, ob Regisseur und Regieassistent „füreinander geschaffen sind“, wenn – ohne viele Worte zu verlieren – die gleiche Ansicht und Vorstellung geteilt werden.

emr:

Gibt es Regisseure, mit denen Du besonders gern arbeitest und Regisseure, die Dir nicht so sehr liegen?

Christian Patrick Doetsch:

Raoul W. Heimrich hat mir im vergangenen Jahr die Möglichkeit gegeben, ihm zu assistieren. Die Zusammenarbeit läuft nach wie vor hervorragend und macht jeden Tag Spaß! Die Zusammenarbeit mit Frauke Thielecke, die in diesem Jahr zum ersten Mal die „Küstenwache“ drehen durfte, hat ebenso sehr viel Freude gemacht.

emr:

Du hast mittlerweile schon sehr oft für die Serie „Küstenwache“ gearbeitet. Kann man daraus schließen, dass Dir diese Produktion Spaß macht?

Christian Patrick Doetsch:

Nach Neustadt zur „Küstenwache“ zu kommen ist schon irgendwie wie „nach Hause kommen“. Ich freue mich jedes Mal aufs Neue, wenn ich hierhin reisen kann, um an neuen Folgen der „Küstenwache“ beteiligt sein zu können. Spannung, Action, Wasser… Herrlich!!

emr:

Welche andere Produktion hast Du besonders gern gemacht?

Christian Patrick Doetsch:

Ich habe sehr lange und immer gerne als Set- und Motivaufnahmeleiter gearbeitet und sehr viele schöne Produktionen betreuen dürfen. Ob es die Literaturverfilmung „EFFI BRIEST“ mit Julia Jentsch gewesen ist, „DIE ZWEITE FRAU“ mit Monica Bleibtreu und Matthias Brandt in den Hauptrollen, „AEON FLUX“ mit Charlize Theron, wo ich die 2nd Unit betreuen durfte, oder auch die zahlreichen Projekte auf Mallorca.

emr:

Gibt es Kollegen, die für Dich ein Vorbild sind?

Christian Patrick Doetsch:

Es gibt einen wunderbaren Kollegen aus München, Günther Ruckdeschel, der für mich auf eine Art mein Mentor gewesen ist. Ich habe als Aufnahmeleiter mehrfach mit ihm gearbeitet und mir viele Tipps und Tricks von ihm abgucken können.

emr:

Gibt es ein Wunschprojekt, das Du gern machen würdest?

Christian Patrick Doetsch:

Ich habe immer davon geträumt, an einem Film über meine Leidenschaft beteiligt zu sein: Fußball.

Des Weiteren liegt eine Familiengeschichte in der Schublade, die sich in meinem privaten Umfeld ereignet hat, und die ich irgendwann gerne in laufende Bilder umsetzen möchte.

emr:

Deine Arbeit erfordert ständige Konzentration und sehr viel Geduld. Macht Dir Deine Arbeit Freude?


Christian Patrick Doetsch:

Ich habe sehr, sehr große Freude an meiner Arbeit. Sie ist eine tägliche Herausforderung und wird nie langweilig.

emr:

Fühlst Du Dich hier in Neustadt und beim Team wohl?

Christian Patrick Doetsch:

Ich bin im vergangenen Jahr sehr herzlich aufgenommen worden, und ich fühle mich in diesem Team hier in Neustadt sehr wohl. Vielen Dank!

emr:

Die Drehtage sind sehr lang. Wie hältst Du Dich fit für Deinen Beruf?

Christian Patrick Doetsch:

Ich habe nach meiner aktiven sportlichen Karriere die Leidenschaft am Laufen entdeckt. In jeder freien Minute, ob morgens vor oder abends nach dem Dreh, laufe ich meine Runde. Einmal „Playa Pelzerhaken“ und zurück!

emr:

Wenn Du zu Dreharbeiten für die „Küstenwache“ kommen darfst, wo wohnst Du dann?

Christian Patrick Doetsch:

Wir haben das wunderbare Glück, in Neustadt direkt am Wasser zu wohnen. Strand und Meer sind wirklich nur einen sogenannten „Katzensprung“ entfernt.

emr:
Du bist durch Deinen Beruf oft von Deiner Familie getrennt. Belastet Dich das sehr?

Christian Patrick Doetsch:

„Zuhause“ hinter sich zu lassen ist immer schwierig, aber gehört leider in unserer Branche fast schon zum Tagesgeschäft. Man muss sich seine Oasen suchen, sich Zeit nehmen, um „Zuhause“ immer wieder zu formulieren!

emr:

Was tust Du am liebsten in Deiner Freizeit?

Christian Patrick Doetsch:

Sport:

Ich versuche, so oft es geht, meine alten Team-Kameraden beim Hockey zu unterstützen. Des Weiteren verfolge ich mit großer Leidenschaft den sportlichen Erfolgsweg von Fortuna Düsseldorf, ob am Radio, Liveticker oder live im Stadion.

Kino:

Als Filmschaffender versuche ich, so oft es mir nur möglich ist, ins Kino zu gehen oder mir DVDs auszuleihen.

Lesen:

Als ehemaliger Buchhändler gehört das Lesen auch nach wie vor zu meiner Leidenschaft, die mich immer wieder entspannt und unterhält.

emr:

Welche Filme haben Dir besonders gut gefallen?

Christian Patrick Doetsch:

„Herr der Gezeiten“, „Stolz und Vorurteil“, …

emr:

Welches Buch hat Dir besonders gut gefallen?

Christian Patrick Doetsch:

Dschamilja von Tschingis Aitmatov

emr:

Welche Musik hörst Du besonders gern?

Christian Patrick Doetsch:

Ich habe einen Hang zur Deutschen Tanzmusik aus den 40-er Jahren. Des Weiteren mag ich die Berliner Band „Rotfront“. Als Düsseldorfer stehe ich natürlich ebenso auf „Die Toten Hosen“

emr:

Was isst Du besonders gern?

Christian Patrick Doetsch:

Pasta, Fisch, Sushi

emr:

Was trinkst Du besonders gern?

Christian Patrick Doetsch:

Grapefruit-Schorle

emr:

Wenn Du verreist, gibt es da ein Lieblingsziel?

Christian Patrick Doetsch:

Ich liebe Spanien und seine Inseln. Ich habe es eine ganze Zeit auf Mallorca ausgehalten und fliege immer wieder gerne auf die Balearen zurück. Ob Mallorca, Menorca, Ibiza oder auch Formentera, einfach schön. In Europa zieht es mich immer wieder nach Barcelona und Kopenhagen.

emr:

Worüber ärgerst Du Dich am häufigsten?

Christian Patrick Doetsch:

Punktverluste von Fortuna Düsseldorf!

emr:

Wenn Du „Kaiser von Deutschland“ wärst, was würdest Du zuerst tun?

Christian Patrick Doetsch:

Ich würde versuchen durchzusetzen, dass alle Filmschaffenden gerecht entlohnt werden.

Zudem eine lebenslange Spielerlaubnis von Fortuna Düsseldorf in der 1.Fußball-Bundesliga (unabsteigbar!!!).

emr:
Und wenn Du „Kaiser der Welt“ wärest, was würdest Du dann tun?

Christian Patrick Doetsch:

Weltfrieden, Ende der Hungersnöte

emr:

Ich bedanke mich sehr herzlich für dieses Interview und wünsche Dir alles Gute und noch viele interessante Aufträge!

Christian Patrick Doetsch:

Auch ich bedanke mich für dieses Interview und wünsche sowohl Dir als auch dem gesamten Fanpage Team alles Gute!

Interview und Fotos: emr – 3. November 2009