Was ist denn ein „Dollyfahrer“? 
Also, ich kenne bisher nur einen, und das ist ein ausgesprochen freundlicher, fröhlicher Bursche, der wie ein waschechter Berliner spricht und ständig mit allem möglichen Gerät und Schienen und so herumackert:
Uwe Großer
Beim Bundesverband Beleuchtung und Bühne e.V. kann man folgende Erklärung nachlesen:
„Dollyfahrer/in im Film- und Fernsehbereich
„Dolly“ heißt der Kamerawagen, der je nach Größe und Situation dem Kameramann und weiteren Personen Platz bietet. Der Dolly rollt entweder auf Gummirädern oder über Schienen, die der Dolly Grip verlegt hat. Dieser schiebt manchmal auch die Plattform, auf der der Tonassistent mit seinem Galgen und dem Mikrofon die Kamera verfolgt. Dollyfahrer bewegen den Kamerakran auf Schienen. Somit arbeiten sie eng mit den Kameraleuten zusammen.“
Wir treffen uns mal wieder am Set, und im Augenblick muß Uwe Großer gerade nichts tun, weil alles aufgebaut ist und nun gedreht wird. Das ist ein guter Zeitpunkt, um miteinander zu klönen:
emr
Ich nehme an, daß Du in Berlin geboren bist. Ist das richtig?
Uwe Großer
Nein. Ich bin in Bad Saarow bei Fürstenwalde geboren und wohne in Zeuthen, im südlichen Speckgürtel Berlins. Ich bin also ein echter Brandenburger!
emr
Wie alt bist Du?
Uwe Großer
Also – geboren bin ich am 25. Februar 1962. Na, nun rechne mal!
emr
Als Kind hat man ja oft viele Ideen, was man später werden möchte. Wie war das bei Dir? Was wolltest Du gerne werden?
Uwe Großer
Ich hatte immer eine Vorliebe für große Fahrzeuge. Ich wollte mit einem großen LKW als Fernfahrer in alle Länder fahren. Aber da hatte ich ja noch keine Familie.
emr
Jetzt bist Du die „Kamerabühne beim Film“. Welche Ausbildung braucht man, um diesen Beruf auszuüben?
Uwe Großer
Da gibt es keine spezielle Ausbildung. Man muß das Glück haben, als Praktikant beim Film anzufangen. Und dann muß man sich für eine Richtung entscheiden. Bei der Kamerabühne ist ein bißchen Feingefühl und Kenntnis über Optikbrennweiten Voraussetzung. Fitneß und Kraft müssen auch stimmen. Alles Wissen über das Material und die Einsatzmöglichkeiten bringt dann das Praktikum.
emr
Wie lange arbeitest Du schon für die Serie „Die Küstenwache“?
Uwe Großer
Ich habe zusammen mit den Beleuchtern im Mai 2004 hier angefangen. Dazu möchte ich noch sagen, die Beleuchter und ich sind ein jahrelang eingeschweißtes Team. Wir helfen uns gegenseitig und verstehen uns nach so vielen Jahren Zusammenarbeit fast blind. Wir sind, wie es früher bei der DEFA und beim Fernsehfunk der DDR hieß, eine „Komplexbrigade“. Einer ist für den anderen da. Und von den „alten Hasen“ bei der „Küstenwache“ sind wir, wie ich glaube, auch deshalb sehr herzlich ins Drehteam aufgenommen worden.
emr
Fühlst Du Dich hier in Neustadt und beim Team wohl?
Uwe Großer
Wie gesagt – das Team hat uns damals gut aufgenommen und wir fühlen uns heute immer noch im Team „sauwohl“. Dank auch an die Neustädter! Sie sind freundlich und hilfsbereit, und das hilft sehr bei unserer Arbeit hier.
emr
Diese Arbeit ist körperlich sehr anstrengend. Wenn ich Dich beobachte, mußt Du ständig mit schweren Gegenständen herumwuchten. Oft mußt Du auch auf kleinstem Raum arbeiten. Macht Dir Deine Arbeit Spaß?
Uwe Großer
Sonst würde ich diese Arbeit nicht machen. Man lernt jeden Tag neue Leute und neue Orte kennen. Andere bezahlen viel Geld für Fitneß und Kraftsporttraining. Ich habe beides hier und bekomme es auch noch bezahlt!
emr
Wenn Du zu Dreharbeiten für die „Küstenwache“ kommen mußt, wo wohnst Du dann?
Uwe Großer
Ich wohne in einer schönen, gemütlichen Ferienwohnung in Haffkrug.
emr
Du bist durch Deinen Beruf oft nicht zu Hause. Fällt Dir die Trennung von Deiner Familie und Deinen Freunden schwer?
Uwe Großer
Ja sehr, zumal ich ein schönes Haus mit Grundstück habe. Die Arbeit bleibt da natürlich an meiner Frau hängen und da sie selbständig ist und einen eigenen Laden hat, ist es gerade für sie nicht einfach.
An dieser Stelle vielen Dank für die Unterstützung meiner Frau für meinen Job. Ohne ihre Hilfe würde die Trennung nicht funktionieren!
emr
Was tust Du am liebsten in Deiner Freizeit?
Uwe Großer
Ich lese sehr gern. Und seitdem ich hier bei der „Küstenwache“ angefangen habe, ist das Tauchen meine Freizeitbeschäftigung Nummer Eins. Jedes freie Wochenende, an dem ich hier bin, verbringe ich bei unserem Tauch-Olli im Tauchsportzentrum an der Ostseetherme Scharbeutz.
emr
Welcher Film hat Dir besonders gut gefallen?
Uwe Großer
Ich bin ein großer Fan von „Der Herr der Ringe“. Ansonsten bin ich für jeden guten Actionfilm zu haben.
emr
Welches Buch hat Dir besonders gut gefallen?
Uwe Großer
Da gibt es kein bestimmtes. Meine Lieblingsautoren sind Douglas Preston, Lincoln Child. Sie schreiben unglaublich spannende Romane.
emr
Welche Musik hörst Du besonders gern?
Uwe Großer
Rolling Stones und Scooter, aber auch Party-Lieder bei Feiern im Bierzelt.
emr
Wenn Du verreist, gibt es da ein Lieblingsziel?
Uwe Großer
Als Taucher ist Ägypten mein Lieblingsziel. Diese einzigartige Unterwasserwelt im Roten Meer ist ein Muß für jeden Taucher.

emr
Was ißt Du besonders gern?
Uwe Großer
Alles, was meine Frau kocht. Und – nicht zu vergessen, die grünen Klöße mit Sauerbraten von meinen Eltern!
emr
Was trinkst Du besonders gern?
Uwe Großer
Bier, aber auch mal einen guten trockenen Rotwein.
emr
Wie hältst Du Dich fit für Deinen Beruf? Oder ist Dein Beruf schon als Fitneßprogramm ausreichend?
Uwe Großer
Wenn ich arbeite, ja! In den Wintermonaten, wenn in unseren Beruf Flaute herrscht, dann gehe ich ins Fitneßstudio, damit meine Muskeln und Glieder nicht einschlafen.
emr
Worüber ärgerst Du Dich am häufigsten?
Uwe Großer
Über Unordnung, Unsauberkeit und Unpünktlichkeit.
emr
Wenn Du der Kaiser von Deutschland wärest, was würdest Du dann tun?
Uwe Großer
Ich würde von allen Politikern die Konten sperren und sie ein Jahr lang von Hartz IV leben lassen. Sie könnten auch für 1 € die Stunde arbeiten gehen. Vielleicht würde Ihnen das mal die Augen öffnen!
Außerdem würde ich das Beamtentum in Deutschland abschaffen. Es ist veraltet und kostet den Staat jedes Jahr Milliarden von Steuergeldern.
emr
Wenn Du der Kaiser der Welt wärest, was würdest Du dann tun?
Uwe Großer
Ich würde den Amerikanern befehlen, sich aus den Angelegenheiten anderer Länder herauszuhalten und mit ihrem Kriegsexport aufzuhören. Sie sollten erst mal versuchen, in ihrem eigenen Land für Recht und Ordnung zu sorgen. Aber schon damit scheinen sie ja überfordert zu sein.
Interview und Fotos: emr