Historisches Fanpage-Archiv

Rüdiger Joswig – Schauspieler


Ein Geschenk von Rüdiger Joswig

Rüdiger_Joswig1453AA.JPG

Kurz nachdem ich Rüdiger Joswig persönlich kennengelernt hatte, verabredeten wir uns im Mai 2005 zu einem Interview.

An einem Sonnabend macht mir Rüdiger Joswig ein Geschenk:

Er schenkt mir eine Stunde seiner kostbaren freien Zeit.

Auf die Sekunde pünktlich kommt er.
Wir sind sofort in unser Gespräch vertieft, als wären wir gute alte Bekannte.

Ich stelle ihm meine Fragen:

emr:
Die 50er Jahre, die Sie als Kind erlebt haben, waren ja nicht so einfach hinsichtlich einer Ausbildung usw. Wollten Sie schon immer Schauspieler werden? Oder welchen Beruf hätten Sie gern ergriffen, wenn Sie nicht Schauspieler geworden wären?

Rüdiger Joswig:
Nein, ich wollte nicht Schauspieler, sondern Pilot werden. Das war mein Traum. Schon als 10jähriger war ich immer auf dem Segelflugplatz. Abends durfte ich den sogenannten Heimflug mitmachen. Das Flugzeug wurde hochgezogen, machte eine Runde und landete dann wieder. Mit 14 Jahren bin ich in den Club eingetreten. Als ich siebzehn war habe ich mich als Jagdflieger beworben und eine Woche lang sehr anstrengende Untersuchungen mitgemacht. Wir waren 46 Teilnehmer, von denen nur 3 bestanden haben. Ich wurde am letzten Tag abgelehnt, wegen eines Augenfehlers. Letztendlich bin dann doch ganz froh gewesen, daß es nicht geklappt hat.

Danach habe ich begonnen, Philosophie zu studieren, was damals im Osten eine geradezu verrückte Idee war.

Ich erinnerte mich dann an meine Zeit im Gymnasium, wo ich schon Theater gespielt habe. Schauspieler zu werden war in den kleinbürgerlichen Verhältnissen, in denen ich aufgewachsen bin, auch nicht „gesellschaftsfähig“. Da hieß es immer: „Nehmt die Wäsche von der Leine, die Schauspieler kommen“. Aber ich ging dann den in meiner Vita beschrieben Weg. Die Berufswahl war entschieden. Heute bin ich sehr glücklich, daß es so gekommen ist.

emr:
Spielen Sie lieber im Theater oder im Fernsehen?

Rüdiger Joswig:
Beides – man braucht unbedingt beides!

emr:
Was tun Sie am liebsten in Ihrer Freizeit?

Rüdiger Joswig:
Sport, Lesen, Musik, Spaziergänge und Reisen – am liebsten zusammen mit meiner Frau.

emr:
Überträgt sich die Fähigkeit eines guten Schauspielers, sich auf die darzustellenden Charaktere einzustellen, auch auf die Menschenkenntnis im alltäglichen Leben?

Rüdiger Joswig:
Ja! Besonders im Theater.

emr:
Welcher Film hat Ihnen besonders gut gefallen?

Rüdiger Joswig:
(Er überlegt eine Weile) Das ist schwer zu beantworten. Ganz viele unter den verschiedensten Aspekten.

emr:
Welches Buch hat Ihnen besonders gut gefallen?

Rüdiger Joswig:
Lucille Eichengreen, „Von Asche zum Leben“, das Buch einer Hamburger Jüdin über den Holocaust, „Dolores und Imperio“ von dem Stern-Autor Kuno Kruse, die Lebensgeschichte eines jüdischen Tänzers.

Ich bin besonders interessiert an Büchern von Zeitzeugen, die authentisch, also selbsterlebt, berichten.

Wir hatten Gelegenheit mit Oskar, dem Schnellzeichner, und seiner Frau zu sprechen. Sie hatten bereits ihren 60. Hochzeitstag. Es war faszinierend, ihnen zuzuhören! Man müßte viel mehr Zeit mit solchen Menschen verbringen, um die Geschichte begreifen zu können.

Ach ja! Und Harry Potter – ich liebe Harry Potter!!

emr:
Welche Musik hören Sie am liebsten?

Rüdiger Joswig:
Klassik, Rock, besonders die Stones, ich versäume kein Konzert, und Blues – je nach Stimmung. Es gibt Stimmungen für Klavierkonzerte und Stimmungen für Violinkonzerte und so weiter.

emr:
Wenn Sie verreisen, gibt es da ein Lieblingsziel?

Rüdiger Joswig:
Afrika – das „richtige Afrika“! Das liegt für mich unterhalb des Äquators. Besonders liebe ich Namibia!! Die Wüste – das Soususvlei! (An dieser Stelle lege ich meinen Bleistift aus der Hand und wir träumen gemeinsam von Namibia, erzählen uns, wo wir waren, wie zauberhaft wir das Licht empfunden haben, wie schön die Sonnenaufgänge sind und immer so weiter).

emr:
Was essen Sie besonders gern?

Rüdiger Joswig:
Obst, Gemüse, Fisch.

emr:
Was trinken Sie besonders gern?

Rüdiger Joswig:
Rotwein (Ich falle ihm ins Wort „Merlot – südafrikanischen? Er lacht.) Ja, es gibt herrliche Weine, die in dieser kraftvollen Sonne gereift sind, auch aus Chile zum Beispiel.

emr:
Wie halten Sie sich fit für Ihren Beruf?

Rüdiger Joswig:
Mit Sport und richtiger, ausgewogener Ernährung.

emr:
Worüber ärgern Sie sich am häufigsten?

Rüdiger Joswig:
Ungerechtigkeit und Unzuverlässigkeit.

emr:
Eine Persönlichkeit ist nach meiner Ansicht ein Mensch, der zuverlässig, ehrlich, humorvoll, tolerant und phantasievoll ist. Stimmen Sie mir zu?

Rüdiger Joswig:
Ja! Absolut!

Wir plaudern gemeinsam noch ein wenig „aus dem Nähkästchen“, lachen oft miteinander! Ein gutes Gespräch! Ich bedanke mich herzlich.

„Sie können immer gern zu mir kommen“ sagt Rüdiger Joswig „Sie wissen doch, beim Drehen ist es so, wie Dennis Hopper es ausgedrückt hat: „They pay me for waiting, acting ist for free.“

Text und Foto: emr

© 2008 www.kuestenwache.net