Liebe Leser meiner Fanpage!
Anfang August 2005 habe ich bei der Agentur von Patrick Gräser angefragt, ob Patrick Gräser zu einem Interview für die Fanpage bereit wäre. 2 Tage später bekam ich eine E-Mail direkt von Patrick Gräser selbst. Ich war im ersten Moment total von den Socken und hocherfreut zu lesen, dass Patrick dazu gerne bereit ist und meine Fanpage auch schon mal im Internet besucht hat. So kam es dann zum nachfolgenden Interview.
Dieses Interview habe ich mit Patrick Gräser am 09.09.2005 telefonisch geführt. Dazu haben wir uns abends um 20.15 Uhr verabredet und bis ca. 21.15 Uhr alle Fragen miteinander besprochen, die unter anderem auch die Forum Mitglieder gestellt haben.
Und hier nun das Interview:
Jürgen P:
Patrick, im Forum bist Du immer noch ganz aktuell.
Patrick G:
Das freut mich sehr, das muss ich wirklich sagen. Hätte ich nicht gedacht, daß nach meinem Ausstieg noch so reges Interesse besteht. Für einen Schauspieler gibt es doch im Nachhinein nichts schöneres. Daher freut es mich jetzt besonders, dieses Interview mit Dir zu führen.
Jürgen P:
Was hat Dich inspiriert Schauspieler zu werden?
Patrick G:
Ich habe seit der Schule etwa 10 Jahre Laientheater gespielt. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich diese Leidenschaft für mich gerne zum Beruf machen würde. Daraufhin habe ich privaten Schauspielunterricht genommen und bin dann – wie man so schön sagt – ein Jahr lang „Klinken putzen“ gegangen. Und irgendwann war ich dann wohl zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, nämlich beim Casting für meine erste Serie. „Geliebte Schwestern“ für Sat1, wo ich einen jungen Arzt gespielt habe, quasi meine ersten Gehversuche vor der Kamera. Das war 1997. Danach spielte ich in der Serie „Mallorca“ und 2001 kam ich dann zur „Küstenwache“.
Jürgen P:
Was haben Deine Eltern zu Deinem Berufswunsch gesagt?
Patrick G:
Begeistert waren sie zunächst überhaupt nicht, da sie die Schauspielerei – wie viele andere auch – für eine „brotlose Kunst“ hielten. Bei meiner Mutter hat sich da bis heute nicht viel geändert; auch wenn sei dem ganzen mittlerweile schon etwas aufgeschlossener gegenübersteht als am Anfang; spätestens seit meiner Rolle bei der Küstenwache.
Mein Vater war anfangs auch recht skeptisch, hat mich aber immer darin unterstützt, meinen eigenen Weg zu gehen. Obwohl diese Branche für ihn auch absolutes Neuland war, hat er meinen Werdegang stets mit Spannung verfolgt und mir auch immer Mut gemacht, wenn es mal nicht so glatt lief. Natürlich freuen sich aber beide, wenn ich zu tun habe und glücklich mit meiner Arbeit bin.
Jürgen P:
Ist es für Dich einfach oder eher schwer, sich in den jeweiligen Charakter einer Rolle hineinzuversetzen?
Patrick G:
Diese Frage bekomme ich sehr oft gestellt. Ich finde es eigentlich nicht schwer, vielmehr ist es jedes mal eine Herausforderung aus einer auch noch so kleinen Rolle etwas schönes zu machen, ihr Profil zu geben und Leben einzuhauchen. Bei einer durchgehenden Rolle wie z.B. bei der Küstenwache entwickelt sich die eigene Rolle mit der Zeit; auch durch das Zusammenspiel mit den anderen Rollen. Natürlich habe ich Jan Kamp auch das eine oder andere von meiner eigenen Persönlichkeit mitgegeben. Ich denke, gerade bei durchgehenden Rollen kommt das häufig vor, vorausgesetzt man lässt es zu und kann sich auch privat mit der gespielten Figur identifizieren. In meinem Fall war das nicht schwer, nicht zuletzt weil ich genau so gerne am Wasser bin wie Jan.
Jürgen P:
Stimmt es, dass Du wie in der Serie griechische Vorfahren hast?
Patrick G:
Ja, meine Mutter ist Griechin und ich habe im Alter zwischen 9 und 14 in Athen gelebt; bin dort auf eine deutsche Schule gegangen. In dieser Zeit habe ich auch die Sprache recht schnell gelernt.
Als ich bei der Küstenwache anfing, haben wir uns überlegt, meine griechische Herkunft auch in die eine oder andere Folge mit einzubauen. Der Name Jan (im griechischen Janis) war dann meine Idee.
Jürgen P:
Was war Dein unvergesslichstes Erlebnis beim Dreh der Küstenwache?

Patrick G:
Das war sicher der U-Boot-Dreh im Sommer 2002 (6. Staffel), über den ich an anderer Stelle ja schon ausführlich berichtet habe.
Die ganze Vorbereitung und Organisation für dieses Projekt waren ungeheuer aufwändig, was man der Folge ja auch ansieht. Meines Wissens gab es in Deutschland bislang noch keine Serie, die auf einem U-Boot gedreht wurde.
Patrick Gräser – Mallorca 2005
Jürgen P:
Wie bist Du mit dem Element Ostsee zu Recht gekommen?
Patrick G:
Wasser ist ohnehin mein Element. Das zieht sich jedenfalls privat wie auch beruflich durch mein Leben. In der Serie „Mallorca“ habe ich einen Skipper gespielt und war demzufolge auch sehr viel auf dem Schiff. Glücklicherweise bin ich absolut seefest. Während meiner Zeit an der Ostsee hatte ich dann auch Gelegenheit, den Tauchschein und den Sportbootführerschein zu machen.
Jürgen P:
Ist die Folge, in der Du auf Elmar Gehlen schießen musstest charakterlich eine Herausforderung gewesen?
Patrick G:
Jetzt sprichst Du mich auf eine meiner Lieblingsfolgen an. Klar war das eine riesige Herausforderung; vor allem wegen der unterschiedlichen Stimmungen und des steigenden Drucks, dem Kamp im Verlauf der Folge ausgesetzt ist. Durch den anfänglichen Eindruck, daß er seine Mannschaft hintergeht, entsteht für den Zuschauer zunächst ein völlig anderes/neues Bild von der Figur. Ich habe mich sehr darüber gefreut, kurz vor meinem Ausstieg nochmal so eine spannende Folge zu bekommen. Auch die Arbeit mit Regisseur Michel Bielawa hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich finde, er hat die einzelnen Szenen toll umgesetzt und der ganzen Folge einen richtig coolen „Look“ verpaßt. Über das Endergebnis war ich sehr glücklich.
Jürgen P:
In dieser Folge zeigt Jan Kamp ja auch sehr viele Emotionen
Patrick G:
Ja, das Drehbuch gab uns viel Raum und Möglichkeiten für jede Menge emotionale Szenen. Daran zu arbeiten hat mir großen Spaß gemacht.
Jürgen P:
Wie kam es dazu, dass Du die Serie verlassen hast?
Patrick G:
Irgendwann ist es an der Zeit zu gehen, um mal etwas anderes zu machen. So hat man auch die Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln.
Jürgen P:
Hast Du noch Kontakt zu ehemaligen Kollegen der Serie?
Patrick G:
Da ich nicht in Berlin wohne, wo die meisten meiner Kollegen leben, treffe ich sie eher selten, aber wir telefonieren hin und wieder. Rüdiger Joswig sehe ich auch, wenn er auf Theater-Tournee geht und in meiner Nähe spielt. Habe nun schon 3 sehr schöne Stücke mit ihm und seiner Frau Claudia Wenzel gesehen.
Jürgen P:
An welchen Projekten arbeitest Du gerade? Und wann werden wir Dich wieder auf dem Bildschirm sehen?
Patrick G:
Zur Zeit gibt es leider keine Projekte, an denen ich arbeite. Ich hatte in der Zwischenzeit ein paar Episodenrollen, z.B. bei „Unser Charly“ oder „Soko 5113“. (Ich habe übrigens durch das Forum erfahren, wann diese Folge ausgestrahlt wird. Hatte so früh noch gar nicht damit gerechnet.) Ein paar Sachen sind immer mal im Gespräch; mal sehen was draus wird. Als Schauspieler hat man immer wieder mal ruhigere Phasen, aber ich bin da ganz optimistisch und glaube fest daran, daß sich früher oder später das richtige für mich ergibt. Bisher bin ich jedenfalls immer wieder auf die Füße gefallen, wofür ich sehr dankbar bin. Ich werde Euch natürlich auf dem Laufenden halten.
Jürgen P:
Spielst Du auch Theater? Wenn ja in welchen Inszenierungen
Patrick G:
Theater spiele ich zur Zeit nicht. Ich möchte offen und frei für neue Rollen in anderen Serien sein.
Jürgen P:
Die Fans im Forum würden Dich gerne in der Serie wieder sehen. In ihren Forum Geschichten bist Du mit Deiner Rolle nach wie vor ein wichtiger Bestandteil. Könntest Du Dir einen Einstieg bei der Küstenwache wieder vorstellen?
Patrick G:
Als Gastrolle auf alle Fälle; zumal Kamp ja auch nicht in seiner letzten Folge gestorben ist. Abgesehen davon würde ich mich sehr freuen, das ganze Team mal wieder zu sehen.
Jürgen P:
Wie findest Du es, dass es nun endlich nach der 8. Staffel eine Fanpage mit Forum gibt?
Patrick G:
Das finde ich sehr gut. So können sich die Fans über die Serie austauschen. Jeder, den es interessiert, hat dadurch die Möglichkeit sich über die Serie, die Darsteller und Hintergründe zu informieren. Daß Du vor Ort wohnst und als Komparse Informationen und Bilder quasi live vom Drehort lieferst, ist natürlich ein besonderes Bonbon für die Besucher Deiner Seite. Ich bin durch Zufall irgendwann mal auf Deine Fanpage gestoßen und habe beim Durchklicken nicht schlecht gestaunt, mit wie viel Liebe zum Detail diese Seite erstellt wurde. (Wirklich bemerkenswert wie viel Zeit Du da rein steckst. Das ganze muss ja auch gepflegt und ständig aktualisiert werden.) Natürlich habe ich mich auch an der einen oder anderen Stelle sehr über die Resonanz zu meiner Rolle gefreut. Wo hat man als Schauspieler schon die Möglichkeit, an ein so ehrliches Feedback über seine Arbeit aus erster Hand zu kommen – quasi aus der „ersten Reihe“. Das finde ich Klasse. Und wer weiß, vielleicht findet ja auch mal die eine oder andere von Euren Geschichten den Einzug in eine Küstenwache-Folge.
Jürgen P:
Wie findest Du das Interesse der Fans an der Serie Küstenwache?
Patrick G:
Das freut mich natürlich. Daß die Zuschauer der Serie über so viele Jahre die Treue halten, ist nicht selbstverständlich und spricht für das Konzept und die Machart der „Küstenwache“. Die Serie zeichnet sich vor allem durch ihr maritimes Flair aus, wodurch sie sich von den meisten anderen Serien im deutschen Fernsehen unterscheidet.
Jürgen P:
Wirst du oft auf der Straße erkannt und angesprochen?
Patrick G:
Also, wie oft ich erkannt werde, kann ich natürlich nicht sagen, aber angesprochen werde ich eher selten. In Neustadt, wo die Serie gedreht wird, kam es schon öfter mal vor. Ich denke, daß die Serie im Norden auch Ihren größten Bekanntheitsgrad hat.
Jürgen P:
Ich soll Dich vom Maskenbildner Marc und Tonassistenten Martin und auch von Rüdiger Joswig grüßen. Rüdiger Joswig war sehr interessiert von Dir zu erfahren
Patrick G:
Vielen Dank und viele Grüße zurück. Das freut mich sehr, da ich mit den Kollegen so viele schöne Erinnerungen habe. Denke oft an das nette Team und muß gestehen, daß mir der „Haufen“ schon manchmal fehlt. Der schöne Drehort hat natürlich sein übriges dazu beigetragen. Wer hat schon das Glück da zu arbeiten, wo andere Urlaub machen. Ich habe mich immer sehr wohl an der Küste gefühlt.
Jürgen P:
Nun noch einige persönliche Fragen der Fans
Was ist Deine Lieblingsfarbe?
Patrick G:
Eine konkrete Lieblingsfarbe habe ich eigentlich nicht, aber ich mag maritime Farben sehr gerne, wie z.B. blau, die Farbe Deiner Fanpage.
Jürgen P:
Welche Zahl bringt Dir Glück
Patrick G:
(spontan) Die Zahl 5. Das ist eine Handvoll und deshalb würde ich die 5 nennen.
Jürgen P:
Was isst Du besonders gerne?
Patrick G:
Generell sehr gerne mediterrane Küche, vor allem griechisch. Indisch und thailändisch finde ich auch sehr lecker. Und ich liebe Eis. Kleiner Tip: Der warme Apfelstrudel mit Vanilleeis im „Engel´s Eck“ („Café Wichtig“) in Timmendorf ist legendär! Manchmal bin ich abends nach Drehschluß nochmal extra dort hingefahren.
Jürgen P:
Was isst du nicht so gerne?
Patrick G:
Fastfood und extrem fette Speisen.
Jürgen P:
Welcher Film fällt Dir spontan als Lieblingsfilm ein?
Patrick G:
Es gibt so viele tolle Filme, gerade in Deutschland passiert da gerade sehr viel. Z.B. „Die fetten Jahre sind vorbei“ und „Goodbye Lenin“ mit Daniel Brühl fand ich Klasse. Oder „Sophie Scholl – die letzten Tage“ mit Julia Jentsch. Den Film „Million-Dollar-Baby“ mit Hillary Swank und Clint Eastwood kann ich auch wärmstens empfehlen.
Jürgen P:
Welche Serie zählt zu Deinen Favoriten?
Patrick G:
Schaue keine bestimmte Serie gezielt.
Jürgen P:
Welches Buch hast Du gerne gelesen?
Patrick G:
„Der Alchimist“ von Paulo Coelho.
„Gespräche mit Gott“ von Neale Donald Walsch
„Das Lola-Prinzip oder die Vollkommenheit der Welt“ von René Egli
„Traumfänger“ von Marlo Morgan
Jürgen P:
Bist Du sportlich aktiv? Wenn ja, welche Sportart
Patrick G:
Versuche jeden Tag was zu machen, wenn es die Zeit zuläßt. Gehe gerne ins Fitness-Studio; vor 3 Jahren hab ich dort mit Tae Bo angefangen. Man muß sich das als Kampfsporttraining vorstellen, mit Kicks, Schlägen u.s.w., aber ohne Gegner. „Schattenboxen mit lauter Musik“ wenn man so will. Wird mittlerweile in den meisten Studios, auch unter ähnlichem Namen, angeboten. Extrem schweißtreibend und sehr zu empfehlen für die Kondition, Koordination und Schnelligkeit. Im Sommer fahre ich noch Rennrad und Mountainbike, und gehe auch sehr gerne Schwimmen. Joggen geht eigentlich fast das ganze Jahr über; vor allem am Strand habe ich das während meiner Zeit an der Ostsee immer sehr genossen. Bin meistens von Sierksdorf bis zur Seebrücke in Scharbeutz und zurück gelaufen. Im Winter fahre ich gerne Ski.
Jürgen P:
Welchen Wagen fährst Du?
Patrick G:
Einen BMW 320 D Touring; der hat mir auf meinen zahlreichen und langen Fahrten an die See immer sehr gute Dienste geleistet.
Wir die Fans der „Küstenwache“ bedanken uns bei Patrick Gräser für seinen tollen Einsatz als Jan Kamp und würden uns sehr freuen, ihn irgendwann einmal wieder in der Rolle des Jan Kamp sehen zu können.
Weiterhin wünschen wir ihm noch viele weitere tolle Rollen und sind sicher, dass er bald wieder im Fernsehen zu sehen sein wird.
Ich persönlich bedanke mich bei Patrick für das tolle Interview. Patrick und ich haben vereinbart in Kontakt zu bleiben und werden von Zeit zu Zeit voneinander hören.
Gruß Jürgen
Oktober 2005
Ein unvergeßlicher Dreh – Ein Bericht von Patrick Gräser über „seinen“ U-Boot Dreh
Eigentlich war es mir schon in der Schule ein Gräuel, Aufsätze zu schreiben, doch man hat mir diesmal fest versprochen, auf eine Benotung zu verzichten! (grins)
Also will ich ein bißchen von einem Drehtag erzählen, der mir bestimmt immer in Erinnerung bleiben wird.
Es war am 5. Juni 2002, als sich das Team der „Küstenwache“ mit seinem Versorgungsschiff „Tina“ aufmachte, um irgendwo in der Kieler Bucht auf ein U-Boot zu treffen, welches für diese Folge die unangefochtene Hauptdarstellerin unserer Serie sein sollte. Wir liefen in Damp aus – nicht weit vom U-Boot-Stützpunkt Eckernförde – nachdem wir die Nacht in unserem Hotel verbracht hatten. Es herrschte eine eigenartige Stimmung an Bord der Tina. Ein Mischung aus Aufregung und Neugier auf das, was wohl auf uns zukommen würde bei diesem außergewöhnlichen Dreh, der uns bevorstand.
Vorausgesagt war starker Seegang mit Windstärke 7 bis 8. Schon kurz nach dem Auslaufen wurde den ersten Team-Mitgliedern schlecht. Zum Glück war ich noch nie seekrank, habe also kein Problem mit wackelnden Schiffen. Dafür aber mit engen Räumen, vor allem wenn ich sie mit vielen Menschen teilen muß. Trotzdem kein Grund, sich die Vorfreude auf einen U-Boot-Dreh nehmen zu lassen, dachte ich mir. Das Ding hat ja oben eine Öffnung, durch die man jederzeit an die frische Luft flüchten kann.
Während ich mit Spannung die aufgewühlte Oberfläche der Ostsee beobachtete, sah ich endlich in einiger Entfernung die U 29 vor uns auftauchen. Dieser Koloss aus dunklem Stahl machte einen bedrohlichen Eindruck, wie er sich uns langsam näherte. „Jetzt geht´s los“ dachte ich mir. Kurz darauf erschienen ein paar Mann der Besatzung oben am Turm und auf der Plattform des U-Bootes. Wir winkten uns zu.
Mittlerweile war der Seegang so stark, daß das Übersetzen der Schauspieler auf das U-Boot zur nicht ganz ungefährlichen Aktion wurde. Nachdem es uns gelungen war, heil von der Tina ins Schlauchboot zu springen, ging es über die Wellen zum U-Boot. Mit an Bord mein Kollege und Kapitän der Albatros Rüdiger Joswig sowie Daniel Bill, der in dieser Folge einen brutalen Entführer spielte. Wir mußten nun irgendwie ins U-Boot kommen, das erstaunlicherweise relativ ruhig im Wasser lag, völlig unbeeindruckt von der wilden Ostsee, die uns in dem kleinen Schlauchboot, nahe der stählernen Bordwand, auf- und abriß. An der Leiter zum Turm stand, gesichert durch Seile, ein Besatzungsmitglied der U 29, um uns beim Überwechseln behilflich zu sein. Jedesmal wenn unsere „Nussschale“ hochgespült wurde, packte der Kerl nacheinander einen von uns bei der Hand, um ihn zur Leiter hochzuziehen, die nach oben an die Öffnung des Turmes führte. Von der Luke ging es dann über eine Leiter durch ein schmales Rohr ca. 3-4 m nach unten zum Innenraum des Bootes.
Unten angekommen raste mein Puls. War ich doch froh bisher alles heil überstanden zu haben, fühlte ich mich plötzlich erdrückt durch die Enge, die dort herrschte. Ich bekam sofort Platzangst und hatte nur einen Gedanken: schnell wieder nach oben an die Luft. Im Gegensatz zu mir machten meine Kollegen einen völlig entspannten Eindruck auf mich, beide total fasziniert vom Innenleben des Bootes. Der Kommandant, Kapitänleutnant Lührsen, hieß uns herzlich willkommen an Bord. „Reiß Dich jetzt bloß zusammen Gräser, so schlimm kann´s nicht sein“, dachte ich mir. Wir sahen uns an und ich merkte, wie ich allmählich ruhiger wurde, mich sicherer fühlte. Lührsen sah aus wie einer, auf den man sich verlassen konnte. Ich musste ihm vertrauen (mir blieb ja auch gar nichts anderes übrig); ihm und seinen ca. 20 Jungs, die alle einen fitten Eindruck auf mich machten.
Mein mulmiges Gefühl wich allmählich der Neugier und dem Interesse für diese Anhäufung an Technik vor meiner Nase. Wo man auch hinsah: Kabel, Schalter, Hebel, Instrumente, Schläuche, Anzeigen, Monitore usw. Der Gedanke, wie ein Mensch das alles beherrschen kann, ließ mich nicht mehr los.
Da unten herrschte ein reges Treiben und ich war beeindruckt davon, wie eingespielt dieses Team ist. Routiniert und präzise schien jeder von ihnen seine Aufgaben an seinem Posten auszuführen. Die Mannschaft behandelte uns äußerst freundschaftlich und ging geduldig auf alle Fragen ein. Man zeigte uns die Operationszentrale, von wo aus das Boot manövriert wird, den Torpedoraum, die Kombüse, den Bereich, wo gegessen und geschlafen wird, die Toiletten/Duschen etc. Ich fühlte mich wie ein kleiner Junge auf Erkundungsjagd.
Durch all diese Eindrücke hatte ich fast vergessen, warum ich eigentlich hier war; als mich plötzlich über Funk die Nachricht erreichte: „Drehfertig machen“. „Showtime“ dachte ich mir, und grinste meinen Kollegen Daniel an. Wir freuten uns auf unsere Szene, die wir am Vorabend mehrmals mit Regisseur Florian Froschmayer durchgesprochen hatten: Der Geiselnehmer und Entführer des U-Bootes, gespielt von Daniel, sollte mich raus auf die Plattform des U-Bootes zerren, wo er der Mannschaft auf der Albatros kurz seine Forderungen stellt. Schließlich würde er mich mit dem Pistolengriff niederschlagen.
Daniel und ich verharrten im Inneren des Turms und warteten gespannt auf unser Zeichen. Plötzlich hieß es über Funk „Raus zum Drehen“. Ich öffnete die Tür zur Plattform und Daniel packte mich am Kragen, um mich mit der Waffe im Anschlag nach draußen zu zerren. Die Plattform war nur ca. 40 cm breit und teilweise ganz von den gegen das Boot schlagenden Wellen bedeckt. Aus den Augenwinkeln konnte ich sehen, daß unser Kamera-Schlauchboot und selbst die Tina zum Spielball der Ostsee geworden waren. Ein Teil des Teams hing an der Reling und war gerade dabei, sein Frühstück wieder loszuwerden. Mir ging alles mögliche durch den Kopf: hoffentlich rutschen wir nicht ab; hoffentlich spülen mich die Wellen nicht vom Boot runter, wenn ich auf dem Bauch liege; hoffentlich hält Daniel mich gut fest, wenn er mich wieder hochzieht… und hoffentlich passiert meinen Kollegen von der Kamera nichts, die in ihrem Schlauchboot die reinste Achterbahnfahrt mitmachen mußten. Im Vergleich dazu lag das U-Boot noch ziemlich ruhig auf dem Wasser. Doch es sollte alles gut gehen:
Daniel trieb mich voran, exakt bis zur ausgemachten Position, versetzte mir einen gekonnten Tritt, der mich runter auf die Knie zwang, und gab mir schließlich einen Schlag auf den Hinterkopf, um mich der Länge nach niederzustrecken – das alles ohne mir wirklich wehzutun. Danke Daniel! Während ich auf dem rauhen Boden lag, brüllt er die Besatzung der Albatros an. Dieser eigentlich so nette Kollege kann richtig böse sein, wenn die Kamera läuft, Respekt! Und ich denke noch so bei mir: „O.k., alles gut gelaufen, und jetzt sieh zu, daß Du mich auf die Beine kriegst und wir wieder ins U-Boot kommen“. In diesem Augenblick schlug eine riesige Welle gegen unsere Backbord-Seite und bedeckte mich komplett mit Wasser. Ich hielt die Luft an und klammerte mich so gut es ging ohne mich zu bewegen an dieses nasse, kalte Monster aus Stahl. Die Sekunden unter Wasser kamen mir ewig vor. Ich fühlte mich hundeelend und war naß bis auf die Knochen. Als die Welle über mir weggezogen war und ich endlich wieder Luft bekam, war ich nur noch froh, daß ich noch an Ort und Stelle war. Da spürte ich, wie mich Daniel am Kragen packte, hochzog und wieder zurück ins U-Boot stieß. Kurz darauf die Meldung über Funk: „Szene im Kasten“. Yesss!
Wieder unten im U-Boot versorgte mich die Mannschaft mit trockenen Klamotten und heißem Tee. Gegen den Hunger gab´s dann reichlich Spaghetti für meine Kollegen und mich. Wir blieben dann noch eine ganze Weile an Bord, da ein Übersetzen aufs Versorgungsschiff auf Grund des Seegangs nicht mehr möglich war. So hatten wir die einmalige Gelegenheit auch das Abtauchen mitzuerleben und noch einiges über die U 29 und ihre Besatzung zu erfahren.
Nach etwa 7 Stunden Aufenthalt kamen wir schließlich wohlbehalten und um viele Eindrücke reicher am U-Bootstützpunkt Eckernförde an. Eindrücke von einem außergewöhnlichen Drehtag, an den wir uns sicher ein Leben lang erinnern werden.
Patrick Gräser
P.S. An dieser Stelle möchte ich mich nochmal im Namen meiner Kollegen ganz herzlich bei der freundlichen Besatzung der U 29 für ihre Unterstützung bedanken. Jungs, es war toll bei Euch an Bord! Alles Gute und allzeit gute Fahrt!



