Kapitel 1
Mittlerweile ist es Hochsommer in Neustadt geworden. Alles ächzt und schwitzt unter der heißen Julisonne. Zudem weht kaum ein Lüftchen. Gruber genießt seinen wohlverdienten Urlaub und befindet sich in Finnland beim „Elche jagen“ wie er stolz auf einer Postkarte berichtete. Nur das es dort die ganze Zeit regnet.
Die Crew der Albatros ist damit beschäftigt das Schiff auf Hochglanz zu bringen, denn es hat sich mal wieder hoher Besuch angesagt. Gruber hat extra seinen Urlaub so gelegt, dass er dann wieder im Lande ist. Nur Kapitän Ehlers und die Crew der Albatros wären froh, wenn dieser Besuch schon vorbei wäre. Denn diesem Gast eilt voraus, dass er alles sehr genau nimmt und schnell cholerische Anfälle bekommt. Unterbaur war im Maschinenraum als Kapitän Ehlers zu ihm herunter kam.
„Wie sieht es aus? Kann die Inspektion kommen?“ „Bei mir immer, das weißt du doch, Holger.“ Ehlers lachte. „Sag mal ist dieser General wirklich so pingelig wie man sagt?“ Ehlers zuckte mit den Schultern. „Ich kenne ihn auch nicht persönlich.“ „Was ist eigentlich mit der Sache mit Grubers Parteifreund geworden? Ob da noch was nachkommt? Hat dir deine Frau Oberst nichts gesagt?“ Holger schüttelte mit dem Kopf. „Ich habe schon einige Zeit nicht mit ihr gesprochen.“ Unterbaur grinste „Entzugserscheinungen?“
Bevor Ehlers antworten konnte rief Jana von der Brücke. „Kapitän, wir haben einen Einsatz.“
Ehlers lief auf die Brücke. „Was liegt an?“ „Notruf von einem Chemiefrachter, hört sich nicht gut an.“ „Wie lautet die Meldung?“ „Sie haben einen Maschinenschaden. Das alleine wäre ja nicht so schlimm, aber damit fällt auch die Stromversorgung aus und wenn die eine Säure zu Warm wird fliegt der Frachter in die Luft. Für 2 Stunden hält die Temperatur noch, aber danach sitzen sie auf einem Pulverfass.“ „Frau Deisenroth, dann machen sie mal alles klar zum auslaufen, ich sage Gruber Bescheid.“
„Was! Ehlers, der General kommt in zwei Stunden, da können sie doch jetzt nicht auslaufen.“ „Aber Herr Gruber, was wird der General sagen, wenn der Frachter in die Luft fliegt.“ Jetzt ist Gruber etwas Kleinlauter. „Na gut Ehlers, tun sie was sie für richtig halten, aber versuchen sie so schnell wie möglich zurück zu sein. Der General hat darauf bestanden die Albatros zu besichtigen.“ Ehlers verzog das Gesicht. „Wir tun unser bestes Herr Gruber. Aber erst mal müssen wir sehen was los ist.“
Die Albatros verließ den Hafen des BGS in Neustadt und nahm Kurs auf die Position des Frachters. „Wolfgang, beide AK voraus. Wir müssen uns beeilen. Wir wissen nicht was genau los ist. Jana, alles vorbereiten zur Brandbekämpfung. Wir müssen auf alles gefasst sein.“
Der Frachter konnte unglücklicher nicht liegen, er war mitten im Fahrwasser einer befahrensten Strecken auf der Ostsee. Nach 1 Stunde waren sie endlich vor Ort. Unterbaur geht erst mal an Bord des Frachters Carolina und versuchte die Maschine wieder in Gang zu bekommen. Nach weiteren 45 Minuten sagt Wolfgang mir: „Holger ich glaube du leitest besser eine Evakuierung ein, ich krieg die Maschine mit Bordmitteln nicht hin. Aber der LM hier und ich wollen noch einen letzten Versuch machen.“ „Wolfgang komm aber bitte frühzeitig rüber, bevor ihr eine feurige Überraschung erlebt.“ „Ab wie viel Grad wird es denn Brenzlig?“ Ehlers rief den Kapitän des Frachters und der sah in den Frachtpapieren nach.
„Ab ca. 35 Grad wird es gefährlich.“ „Gut, dann sollten wir evakuieren wenn ihr LM und mein Chief die Sache nicht in den Griff bekommen. Bereiten sie ihre Leute darauf vor.“
Der Kapitän war nicht gerade begeistert aber es blieb ja nichts anderes übrig.
Inzwischen gab Ehlers einen Bericht an Gruber weiter. Gruber war ganz offensichtlich nervös. Stand der General Wegener schon hinter ihm? „Sollen wir eine Bergung veranlassen?“ Ehlers konnte das nicht entscheiden. „Das muss der Kapitän entscheiden, Herr Gruber.“ „OK, versuchen sie die Lage unter Kontrolle zu bekommen“ „Wir tun unser Bestes.“
Nach einer halben Stunde kommt von Unterbaur die Meldung: „Scheiße wir schaffen es nicht und hier unten ist es bereits unerträglich heiß. Wie ist denn oben die Temperatur?“ „Moment ich frage Kapitän Grieg. – Unterbauer, macht dass ihr rauskommt! Da sind schon 34 Grad.“ „Zu spät die erste Säure sickert in den Maschinenraum.“ „Raus Da!“
Unterbaur schafft es gerade noch an Deck, da hörte er von unten ein Grummeln. Er springt auf die Albatros II die sich schon in Abfahrt befindet. Die Mannschaft des Säuretankers hat es vorher ebenfalls auf die Albatros geschafft. Nur der LM konnte sich nicht mehr retten.
Die Albatros II ist nun ca. 1 Seemeile von dem Frachter entfernt und fährt unter voller Kraft weiter weg. In dem Moment explodiert der Säurefrachter mit aller Kraft. Die Erschütterung ist so groß, dass eine Wasserfontäne fast 100 Meter aufsteigt.
Dann brannte die Wasseroberfläche der Ostsee in einem Umkreis von fast einer Seemeile.
Nach dem ersten Schock rief Ehlers Gruber an und berichtete ihm was passiert war. Erst war Gruber sehr einsilbig, denn schließlich ist so ziemlich das Schlimmste passiert, was es in diesem Fall geben konnte.
Nach einiger Zeit, sagte er langsam und zögernd: „Ehlers, jetzt haben wir ein Problem ich habe keine Mannschaft für das Löschschiff. Ich kann ihnen nur sämtliche verfügbaren Schiffe zur Hilfe schicken. Damit müssten sie die Umweltkatastrophe eindämmen.“ Ehlers wurde blass und meinte zu Gruber: „Das ist doch ein Witz, sie wissen doch das wir das nie schaffen können.“ „Doch Ehlers, es geht nicht anders. – Übrigens der General ist hier und schäumt vor Wut, weil sie nicht hier sind und dann noch dieses Unglück. – Wie Berlin jetzt über uns entscheidet …“ Gruber stockte, offenbar wollte er sich am Telefon nicht weiter dazu äußern.
Ehlers war sauer auf Gruber, wie sollten sie ohne das Löschschiff diese Sauerei in den Griff bekommen? Aber was blieb ihnen anderes übrig. Also machen sie sich an die Arbeit!
Als knapp eine Stunde später die ersten Schiffe eintrafen erwartete Ehlers eine Überraschung. An Bord befand sich Corinna v. Hardenberg. So sehr sich Ehlers auch freute, sie hatten erst mal keine Gelegenheit sich richtig zu begrüßen. Corinna packte sofort mit an.
Es dauerte Stunden bis sie den Schaden halbwegs unter Kontrolle hatten und sie nach Neustadt zurück konnten. Jetzt erst konnte Ehlers Corinna richtig begrüßen.
„Wie sieht es aus?“ meinte er fragend im Bezug auf die Entscheidung aus Berlin. „Na ja der General ist nicht gerade begeistert – vor allem nach dem Gruber die Lage hier auch nicht so richtig unter Kontrolle hatte. Ich denke es wird auf ein letztes, klärendes Gespräch ankommen. Aber das sollten wir in Ruhe führen, du wirst dabei sein.“
Also machten sie die Albatros erst mal wieder Salonfein, in der Hoffnung den General so etwas milder stimmen zu können. Aber auch die anderen, der am Einsatz, beteiligten Schiffe werden auf Hochglanz gebracht, inklusive der Mannschaften. – Das klappte uns auch ganz gut, denn Norge unterhielt alle mit seinen Sprüchen.
Dann kamen ja auch schon Gruber, Corinna v. Hardenberg und der General zur großen Inspektion. Während der Oberst und der General mit der Besichtigung anfangen. Raunt Gruber mit etwas unsichrer Stimme. „Mensch Ehlers, wenn das nur gut geht. Ich wollte eigentlich noch nicht gehen.“ „Herr Gruber, wird schon klappen, wer soll denn sonst ihre Arbeit machen?“ „Sie natürlich!“ Ehlers antwortet mit erstauntem Gesicht: „Ich, nein! Dauerhaft ins Büro? Unmöglich!“ Corinna hatte den General herum geführt und dabei schon einiges wieder ausgebügelt. Aber so ganz war der General noch nicht besänftigt.
Als sie dann später in Grubers Büro saßen meinte er: „Sie haben hier hervorragende Mitarbeiter, sie sollten dieses Potential besser nutzen. Ich will zu ihren Gunsten davon aus gehen das sie von der Sache mit dem Giftmüll nichts wussten. Aber so was wie heute darf auch nicht noch mal vorkommen. Sie müssen ihr Personal immer Einsatzbereit haben.“
Dabei sah er ihn eindringlich an.
Ehlers atmete genau so auf wie Gruber. Das war gerade noch mal gut gegangen. Was er nicht sehen konnte war Corinnas schelmisches Lächeln.
Der General war noch nicht fertig. „In Berlin wird überlegt sie hier personell zu verstärken, mit einer SEK Gruppe speziell für die Küstenwache. Aber darüber reden wir später noch mal.“ Holger Ehlers sah Corinna fragend an. Sollte sie etwa…….?
„Corinna wenn du schon mal hier bist, was hältst du davon wenn wir erst mal essen gehen und den Abend dann ausklingen lassen?“ Mit einem Hintergründigem lächeln meint sie: „Warum eigentlich nicht, Holger! – Wohin willst du denn?“ „Ich dachte wir gehen gleich hier am Hafen in den Seewolf. Ich hab da vorhin einen Tisch reservieren lassen.“ „Du hinterlistiger Schuft! Na gut.“
Zu Hause rückt Corinna dann endlich mit der Sprache heraus: „Holger, was hast du eigentlich für Zukunftspläne?“ „Wieso? Im Moment nichts Besonderes. Ich dachte eigentlich, das ich mal eine Frau für mich und die Zukunft finde, aber das ist wohl bei meinem Beruf unmöglich.“ Jetzt hat Corinna wieder diesen schelmischen Blick, was hat sie nur?
„Holger vielleicht geht dein Wunsch in Erfüllung.“ „Du willst doch nicht deinen Beruf aufgeben.“ „Das nicht, aber ich werde hier in Neustadt bleiben!“
„Was?“ fragte Ehlers ganz erstaunt. „Das ist ja großartig“. Er nahm Corinna in den Arm und freute sich riesig. „Das müssen wir den anderen sagen“, meinte er. „Ok, mach Du das, ich mache mich erst mal fein zum ausgehen. Ehlers rief alle an und bestellte sie in das Restaurant „Seewolf“ am Hafen zu um 20.00 Uhr. Dann hatte er noch etwas Zeit mit Corinna alleine.
„Hallo Wolfgang“ rief Norge der gerade mit Alex Johannson im „Seewolf“ ankam. Was will Ehlers uns denn so interessantes sagen. „Ich weiß es nicht Kai, wir werden sehen.“ entgegnete Wolfgang seinem Kollegen. Sie warteten alle im Biergarten auf ihren Kapitän. Nun waren auch die anderen schon eingetroffen, nur Ehlers ließ noch auf sich warten. „Du Wolfgang, sag mal, was ist das denn für ein komisches Ding dort oben im Fenster?“ fragte Alex ihren Kollegen. „Ach das, das ist nur die Webcam von Jürgen Plötzner. Es ist eine Internetseite über die Küstenwache,“ antwortete dieser. „Na dann passt es ja zu uns, wir kommen sogar vor die Kamera“ meinte Kalle voller Begeisterung.
Nun traf der Kapitän mit Corinna auch ein. „Liebe Kollegen, ich habe folgende Neuigkeit für Euch. Und zwar wird Corinna in Neustadt bleiben!“ Alle sahen ihn erwartungsvoll an.
„Wie das jetzt“, meinte Unterbaur. „Wollen sie zu uns wechseln?“ Corinna lachte fröhlich. „Nicht ganz, ich bleibe schon bei dem was ich kann. Wenn alles so klappt wie es geplant ist dann übernehme ich die SEK hier in Neustadt.“ „Oh Mann“, platze Norge heraus. Aber diesmal erntete er von Lilli nur einen Seitenhieb. Alle lachten als sie das sahen.
Unterbaur sah Holger Ehlers an und grinste übers ganze Gesicht. „Könnte man dann davon ausgehen das es vielleicht bald eine weitere Hochzeit geben wird hier in Neustadt?“ Ehlers nahm die Hand von Corinna und sah sie fragend an. „Das kommt ganz darauf an ob Corinna damit einverstanden wäre.“ Daraufhin meinte Norge: „Dann wollen wir doch erst mal bestellen.“ Kalle meinte: „Natürlich, will unser Smutje einmal richtig essen.“
„Aber eigentlich stimmt`s ja, wir können ja auch beim essen weiterreden. – Ich würde sagen jeder sagt was er möchte.“ Nach einer allgemeinen Zustimmung wird das auch so gemacht.
In der Wartezeit meinte Alex, mit einem Seitenblick auf die Webcam: „Ob jetzt alle Leute sehen, was wir essen?“ „Warum eigentlich nicht“, und Kalle drehte die Kamera so, das sie auf den Tisch schaute, wo das Essen gerade aufgetragen wurde.
Krüger der auch dabei war meinte: „Die Adresse muss man sich mal merken. Aber Kai, du hast dich aber schnell getröstet, dass Lilli weg geht. Sie ist noch nicht mal weg, da bist du schon mir unserer neuen Bootsfrau unterwegs.“ Jetzt ist es an Norge rot zu werden. Er setzt zu einer Antwort an: „Das ist doch gar nicht wahr. Mir fehlt Lilli schon, aber wenn sie sich doch beruflich verbessern kann, was soll ich da machen?“ Alex schwieg etwas verlegen. Sie war ja noch neu in der Mannschaft und wusste nicht so recht wie sie sich verhalten sollte.
Holger Ehlers konnte es noch nicht so recht fassen das Corinna jetzt in Neustadt bleiben würde. „Wann wird es den endgültig entschieden?“ „Ich denke doch dass es sich bald entscheidet. Und ich hoffe das sich nichts ändert.“ „Was glaubst du, wie groß wird die SEK sein?“ „Ich rechne mit etwa einem Dutzend Leuten. Ich werde nur die besten aussuchen. Und vielleicht kommen ja noch Leute von euch dazu.“ „Und du bist dann der Boss!“, meinte er lachend. „Ja warum nicht, habt ihr was gegen eine Frau als Boss?“ Norge meinte. „Vielleicht meldet sich ja Krüger bei ihnen?“
„Sei nicht so frech Norge“, meinte jetzt Kalle: „Krüger hat es halt etwas schwerer sich anzupassen.“ „Etwas schwerer ist gut. Du erlebst ihn ja nicht an Bord.“ „Trotzdem Norge, der wir schon noch groß. –
Was meint ihr, wir sind zwar nicht die Schauspieler. Aber zeigen wir uns doch mal in der Webcam, vielleicht werden wir dann ja genauso berühmt.“ Und was keiner erwartet hätte, Gruber hatte im reinkommen das letzte gehört und meinte: „Gute Idee Herr Schneidewind, dann fangen sie mal an.“ So gingen 10 Portraits ins Internet.
Kapitel 2
Alle mussten lachen und der Webmaster der Seite machte am nächsten Tag überraschend große Augen und fragte beim ersten Hauptkommissar Gruber nach ob das seine Leute waren und welcher Rausch sie dazu verführt habe.
Aber da Gruber ja selber dabei war, musste er vorsichtig sein und sagte: „Dies war kein Rausch sondern eine persönliche Feier. Aber dies wird kein Dauerzustand, den die Crew ist schon wieder auf See zur nächsten Streife.“
Als nächstes ruft Gruber bei Schneidewind an um ihm die Meinung zu sagen und brüllt gleich los: „Scheidewind, wenn sie noch einmal so eine Idee haben, schlucken sie, sie gefälligst runter.“ Jetzt wird er aber auch lauter: „Herr Gruber war das alles? – Ich habe ganz andere Sorgen. Bei mir steht die Saison vor der Tür und außerdem gehöre ich nicht mehr zu ihrem Verein.“ wütend legte Schneidewind den Hörer auf. „Aber Schneidewind, wie reden Sie mit mir?“ stammelte Gruber in das Telefon und wunderte sich nichts mehr zu hören.
Indes war die Albatros II nun mit reparierter Maschine wieder auf See.
Es war wieder einer dieser unerträglich heißen Tage, so dass selbst auf See die Luft förmlich stand. Kapitän Ehlers kam vom Peildeck wieder auf die Brücke. „Mein Gott ist das eine Gluthitze draußen, wie gut, das hier klimatisiert ist.“ „Selbst die Segler schieben eine absolute Flaute“ äußerte Wolfgang. „Die können aber wenigstens ins Wasser und müssen nicht in ihren Uniformen ihren Dienst schieben.“ entgegnete Alex Johannson.
Plötzlich bekam die Brückencrew eine Nachricht aus dem Funkraum. Es war Kamp.
„Kapitän, Kamp hier. wir haben soeben einen wichtigen Funkspruch erhalten…“
„Ja was ist denn? Schon wieder so ein Sonnenverbrannter Tourist.“ „Das nicht gerade, aber der General möchte unsere Arbeit kennen lernen.“ Langsam wird auch Ehlers sauer: „Was heißt das für uns?“ „Wir sollen sofort nach Neustadt zurückkommen und den General an Bord nehmen.“ „Auch dass noch – na gut Kurs Neustadt, halbe Kraft voraus.“ „Ach Kapitän!“ „Ja was ist noch Kamp?“ „Übrigens Oberst v. Hardenberg kommt auch mit.“ Und die Mine von Ehlers erhellt sich zusehends.
„Herr General darf ich bitten, Corinna du auch.“ Dann stellte der General erstaunt fest: „Ach sie kennen sich, darum wollen sie plötzlich nach Neustadt.“ „General, sie wissen doch das es nicht darum geht, die SEK muss doch aufgebaut werden und da ich selber sehr am Aufbau einer SEK-Einheit interessiert bin möchte ich gerne etwas dazu Beitragen indem ich nach Neustadt gehe.“ Darauf meint der General nur: „Aha.“
In dem Moment kommt Kamp und sagt:“ Kapitän wir müssen sofort los! Es ist nämlich
ein Einsatzbefehl der Hauptzentrale eingegangen. Eine Segelyacht meldete SOS nachdem der Skipper im Wasser zum Baden war, zog er sich schwerste Verbrennungen zu.“
„Ok alles klar zum Ablegen. Wolfgang, halt die Maschine sauber wir haben hohen Besuch an Bord.“ befahl der Kapitän. „Haha, als ob ich etwas dafür kann das diese Maschine so ein Schrott ist. Früher da war alles noch Maßarbeit von hochwertiger Qualität, aber heute.“ Wolfgang war dann doch etwas Sauer. „Ja früher, da wurde die Maschine noch von Hand gekurbelt, “ witzelte Norge.
„Schluss jetzt, mal ein bisschen mehr ernst bei der Sache. Für Gruber und uns ist dieser Einsatz von hoher Bedeutung.“ fuhr Ehlers dazwischen. Die Albatros II nahm Kurs auf die Hafen Ausfahrt.
„Frau Johannson berechnen Sie den Kurs zur Leuchttonne 5 des Lübeck-Gedser-Weges. Dort treibt die Segelyacht laut Funkspruch.“ Kapitän Ehlers war sich sicher, dass etwas Schlimmes passiert sein musste. „Die Position lautet 54 Grad 12,6´ Nord und 11 Grad 23,5´ Ost“ kam es wie aus der Pistole geschossen von Alex Johannson. „Nicht schlecht die kleine.“ Wolfgang war voller Bewunderung.
Norge dachte so halblaut vor sich hin: „Was kann da nur passiert sein, normalerweise verbrennt man sich doch nicht im Wasser.“ Jetzt kommt es etwas deutlicher: „Alex was war das für eine Position?“ „54 Grad 12,6´ Nord und 11 Grad 23,5´ Ost“ „War das nicht auch dort, wo der Frachter in die Luft geflogen ist?“ Ehlers meinte: „Mensch Norge, sie werden ja noch zu einer Leuchte. Daran hatte ich noch gar nicht gedacht!“ Und Jana ergänzte: „Wer sagt eigentlich, das keine Säure ins Wasser gelangt ist.“
In diesem Augenblick kam der General auf die Brücke und meinte: „Ehlers wissen sie schon was da passiert ist?“ „Wissen nicht, aber wir haben eine Vermutung. Was wirklich los ist wissen wir in 20 Minuten.“ Der General sah ihn an. „Na dann schießen sie mal los was sie vermuten!“ Corinna stand neben ihm und sah Ehlers ebenso erwartungsvoll an.
„Wir vermuten dass bei der Explosion und dem Untergang des Chemiefrachters Säure ausgetreten ist. Daran könnte sich der Skipper die Verbrennungen zugezogen haben. Wenn das so ist dann müssen wir schnellstens das Gebiet absperren und dann mit der Bergung beginnen. Was allerdings heikel werden könnte.“
Der General nickte. Ihm war die Gefahr wohl bewusst. „Tun sie was notwendig ist, wenn ich ihnen dabei helfen kann werde ich das tun. Wir müssen auf jeden Fall schlimmeres verhindern.“ Ehlers sah ihn erstaunt an. Damit hatte er nicht gerechnet. Doch er sah Corinna nickten, er hatte es also ernst gemeint.
Aber es kam doch etwas anders, Norge und Jana holten unter allen gebotenen Vorsichtsmaßnahmen den Skipper an Bord. Die Vorsichtsmaßnahmen bestanden in Taucheranzügen und Atemschutzmasken, denn sie durften ja mit dem Wasser keinesfalls in Berührung kommen. Wie Norge feststellte kamen sie gerade noch rechtzeitig, um eine totale Verätzung der Speise- und Luftröhre zu verhindern. Die Verätzungen der Haut entsprachen allerdings Verbrennungen dritten Grades, so dass er schnellstens mit dem Hubschrauber in die Uni Hamburg gebracht wurde, wo sie eine Spezialklinik für solche Verätzungen hatten.
Mit Diana Hansen auf der Segelyacht vereinbarten sie erst mal. Das wir vor der Bergung der Yacht erst mal Feststellten, wie groß das verseuchte Gebiet war. Zurück an Bord der Albatros fuhren sie erst mal ein Raster mit der Kantenlänge von einer Seemeile, und an jedem Knotenpunkt haben Norge und Wagner je drei Wasserproben in verschiedenen Höhen um die Ausdehnung des Verseuchten Gebietes festzustellen. „Kapitän, das Verseuchte Gebiet beträgt 10 mal 10 Seemeilen und die Konzentration nimmt ab 5 Meter Wassertiefe rapide ab.“
„General was sollen wir ihrer Meinung jetzt am Besten tun?“ „Ja Ehlers ich habe schon mal Kontakt mit dem UBA aufgenommen. Die werden uns Bergungsschiffe für diesen Speziellen Zweck schicken.“ „Und wann treffen diese Schiffe ein?“ „In zwei Stunden, aber ich muss zurück nach Berlin. Deshalb dachte ich, dass Oberst v. Hardenberg die Befehlsgewalt vor Ort übernimmt. Oder ist ihnen das etwa unangenehm Kapitän Ehlers?“
„Herr General, sollen wir sie nach Neustadt zurückbringen?“ „Nein machen sie sich keine Umstände. Ich werde gleich von einem Hubschrauber abgeholt. Außerdem sollten sie das Gebiet markieren und auf die Bergungsschiffe warten.“
Da meldete Jana: „General, der Hubschrauber wartet auf sie.“ „Danke Frau Deisenroth! Sagen sie dem Piloten, ich komme sofort. – Oberst sie wissen was zu tun ist?“ „Natürlich General.“ „Dann ist ja gut und vernachlässigen sie den Kapitän nicht.“ Frau Oberst und der Kapitän wurden rot und sie meinte: „Ganz wie sie wünschen General.“
„Na Holger dann wollen wir mal loslegen, damit wir auch hinterher in der Freiwache Zeit haben.“ Und mit einem schmunzeln im Gesicht sagt er: „Wie sie befehlen Frau Oberst.“
In diesem Augenblick tauchte Norge neben ihnen auf. „Kapitän ich habe mir noch mal unsere Geräte angesehen und irgendwie haben die hier einen Fehler gemacht…“ Das sprudelte in atemberaubender Geschwindigkeit aus ihm heraus und er fuhr dabei wie wild auf einer Karte hin und her, aber niemand verstand ihn. Unterbaur packte ihn an den Schultern und schüttelte ihn kräftig: „Kai! Rede doch mal normal!“ Also holte Norge einmal tief Luft und wollte noch einmal beginnen, als sich sein Gesicht auf einmal grau färbte und er ohne einen Laut in sich zusammensackte. Was hatte Norge entdeckt und der Crew mitteilen wollen?
Des Rätsels Lösung: Norge brauchte zum Putzen Wasser und hat natürlich Hautberührung mit dem Wasser gehabt und leider auch einen Schluck in den Mund bekommen. In diesem Augenblick kam auch gerade an dieser Stelle eine Windbö auf, die das Wasser hochpeitschte. Als ihm nach kurzer Zeit schlecht wurde, versuchte er es der Mannschaft mitzuteilen, aber es war zu spät.
Wolfgang der am nächsten stand, meinte: „Mach keinen Quatsch.“ Nur Norge stand nicht auf. Jetzt merkten auch die anderen, dass es ernst war, und alarmierten den Kapitän, der inzwischen mit dem Oberst und dem General beim Hubschrauber stand. Der kam auch gleich mit dem Oberst und dem noch Anwesenden General rein gestürzt. Der General hatte sich zuerst wieder gefasst und sagte: „Am besten setzen sie Norge in den Hubschrauber und ich bringe ihn ins Krankenhaus.“ Nachdem in die anderen auch wieder leben kam, murmelten alle: „Ja, dies wird wohl das beste sein.“ Und fassten mit an.
Nachdem der Hubschrauber abgeflogen war, standen bzw. saßen alle wie versteinert herum, niemand sagte ein Wort. Wolfgang zündete sich mit düsterer Miene eine Zigarette an.
Alle warteten sie auf eine Nachricht vom Krankenhaus, aber es kam nichts. Kein Telefonklingeln, nichts. Minuten schlichen herum wie Stunden, niemand fasste auch nur irgendeinen klaren Gedanken. Was war nur mit Norge?
Endlich klingelte das Telefon. Ehlers ging ran, seine Miene verriet größte Anspannung als er den Hörer abhob, aber dann entspannte sie sich wieder. Nach einem kurzen Gespräch legte er auf. Jana trat einen Schritt auf ihn zu: „Und? Was ist mit ihm?“ „Gar nichts ist mit ihm“, brummte Ehlers. „Das war irgendwer von Labor, ich habe ihnen gesagt dass wir zurückrufen.“ Alle sahen sich an.
Da klingelte das Telefon erneut. Wieder ging Ehlers an den Apparat. Die Restlichen bemerkten, wie sich seine Hand in die Polster eines Stuhl krallte, während er redete. Dann legte er auf. Niemand musste fragen, an seinem Gesichtsausdruck sahen alle, dass es um Norge ging. Und so wie es aussah war es keine gute Nachricht war. Aber das Schlimmste war noch nicht eingetreten. Norge lag zwar im Koma, aber es Bestand noch eine geringe Hoffnung dass er es überlebt. Denn immerhin lebte der Skipper ja auch noch. Zwar lag auch er noch im Koma, aber die Werte schienen sich zu verbessern.
Langsam kam in die Mannschaft, die dasaß wie ein Häufchen Unglück, wieder Bewegung. Auch wenn ihnen die vorlauten Sprüche von Norge manchmal auf die Nerven gingen, aber jetzt fehlten sie ihnen doch sehr. Da meinte Wolfgang: „Wenn wenigstens Kalle hier wäre.“
Aber Corinna rief alle wieder ins Leben zurück: „Was haltet ihr denn davon ihn anzurufen und danach werden wir diesen Mist mit vereinten Kräften schon erledigen. Vielleicht hat Kalle, bis wir nach Neustadt kommen eine gute Nachricht.“ Nach einer allgemeinen Zustimmung wurde es so gemacht.
Inzwischen waren auch andere Schiffe zum Helfen angekommen. Gemeinsam markierten sie in ungefähr das verseuchte Gebiet, was keine einfache Arbeit war. Am späten Nachmittag fuhr die Crew mit der Albatros wieder nach Neustadt. Gruber wartete bereits ungeduldig, denn da der Funk überraschenderweise ausgefallen war, hatte er keine Ahnung was an Bord vorgefallen war. Ehlers erstattete Bericht, während die anderen mit Kalle telefonierten, in der Hoffnung, Neuigkeiten aus ihm heraus zu bekommen.
Entweder wusste Gruber noch nichts oder wollte sie auf die Folter spannen. Da sie nicht mehr lange bis Neustadt brauchten, fiel für den Kapitän die Freiwache aus. Zum ausruhen stand er viel zu sehr unter innerer Anspannung und selbst mit Corinnas Hilfe hätte das nicht geklappt. Sie kannte Norge zwar nicht so gut aber war letztendlich genauso betroffen wie wir alle.
Als Ehlers in die Messe kam, hörte sie gerade noch den Rest von dem Gespräch mit Kalle, er meinte: „Natürlich kümmere ich mich darum, was mit Norge passiert. Es wird sicher gut ausgehen. Wann kommt ihr an?“ „Mit Festmachen und Papierkram, werden wir wohl so in 3 Stunden bei dir einfallen.“ „Na vielleicht weiß ich ja bis dahin mehr.“ „Tschüss Kalle, bis dahin.“ Jetzt meinte Lilli: „Nun bin ich beruhigter, denn ohne Kalle geht es nun mal nicht. Er gehört doch zur Mannschaft, auch wenn er nicht mehr an Bord ist.“
Unterdessen ergab sich, dass sich Thomas Holzer die Schlüssel von der Yacht seines Vaters angeeignet hatte. Großzügig lud er viele seiner „Freunde“ zu einer Bootstour um Mitternacht ein. Er bat alle sehr leise zum Yachthafen zu kommen. Thomas Holzer war ein 13 jähriger Junge aus guten Verhältnissen. Seine Eltern sind reiche Bauunternehmer aus Neustadt. In der Schule nahm ihn nie jemand so richtig ernst und mit dieser Bootstour wollte er Eindruck schinden. Oft ist er mit seinem Vater auf Bootstour gewesen. Deshalb war ihm der Umgang mit der Yacht und Navigation selbst in der Nacht nicht unbekannt.
Als alle an Bord waren legte er ab und die Yacht fuhr hinaus auf die dunkle See. „Wohin fahren wir?“, fragte einer der anwesenden. Erst mal raus in Richtung des Lübeck-Gedser-Weges. Und dann ist Party angesagt.
Nach drei Stunden ließen sich alle wie geplant bei Kalle nieder, und Kalle hat wie erhofft auch gute Nachrichten von Norge. Er hat Glück gehabt. Anders wie beim Skipper konnten die Rettungsmaßnahmen noch früh genug eingeleitet werden und er ist inzwischen auch schon wieder bei Bewusstsein, nur der Skipper ist nun doch gestorben. Aber eine längere Pause wurde uns nicht gegönnt.
Da rief Gruber an: „Ehlers, im Lübeck-Gedser-Weg liegt eine Yacht und scheinbar kein Mensch an Bord. Ich weiß sie sind gerade eingelaufen, aber könnten sie sich bitte darum kümmern. Ich schicke ihnen auch eine Vertretung für Norge.“
„Also Leute es tut mir leid, wir müssen noch mal raus.“ „Das ist doch unmöglich.“ „Beschwert euch lieber bei Gruber, ich gebe nur weiter, was er sagt.“
Also gingen wir alle wieder zur Albatros. Die Vertretung für Norge war eine junge Sanitäterin Anfang 20, eine Hannah Pieper, die keiner von uns bisher kannte. Aber sie schien auch eine gute Polizistin zu sein, machte nicht viele Worte, sondern packte gleich mit an. Als wir zum Lübeck-Gedser-Weg kamen, sahen wir die Yacht schon von weitem. Sie war ziemlich groß, und schien, wie Gruber gesagt hatte leer zu sein. Jana Deisenroth stieg mit Alex Johannson und Frau Pieper über und besah sich das Boot von innen. Sie fanden nichts. Die Yacht war wie ausgestorben. Nichts wies darauf hin, dass hier schon ein Mal jemand gewesen war. Es gab weder persönliche Gegenstände noch irgendwelche Papiere. Ehlers erstattete Gruber Bericht und Krüger versuchte über seinen PC herauszufinden, wem die Yacht, die allerdings nicht einmal einen Namen hatte gehörte.
Währenddessen zeigte sich das Frau Pieper auf jeden Fall eines besser konnte als Norge: Kochen! Sie war gerade damit fertig als Krüger Hereingeschossen kam. Er schien etwas entdeckt zu haben…
Aus dem verschmierten Namen den Alex fotografiert hatte, hat er einen vernünftigen Namen herausgefunden und weitere brisante Informationen. Der Besitzer steht im Verdacht, Umweltkriminalität im großen Stil zu betreiben und auch noch Verbindungen zu Mafia zu haben.
„Tja dann wird es wohl das Beste sein, die Yacht an den Hacken zu nehmen und die KTU zu holen, vielleicht bekommen die etwas raus.“ Da meinte Wagner: „Das wird wohl das beste sein Kapitän. Aber ich würde noch Vorschlagen die Gegend hier zu beobachten, denn irgendwo müssen ja die Leute bzw. der Skipper geblieben sein.“
„Stimmt, da werden sie wohl recht haben.“, meinte Ehlers. Dann telefonierte er mit Gruber. Dieser versprach, sogleich ein Schiff kommen zu lassen, allerdings nicht für die Überwachung, sondern zum Abschleppen. Die Überwachung solle die Albatros doch bitte übernehmen. Wenigstens für die nächsten 15 Stunden.
Das sorgte zwar unter der Crew für Protest, aber Befehl war nun mal Befehl. so vergingen die Stunden.
Das Schiff war längst abgeschleppt, die Crew hundemüde, schließlich hatten sie seit längerer Zeit nicht mehr geschlafen, und an Schlafen war bei dem Wellengang, der jetzt herrschte, auch nicht zu denken. Krüger hatte sich bereits zweimal übergeben. Alle freuten sich auf die Ablösung, die in spätestens 30-55 Minuten bei ihnen eintreffen sollte. Da musste sich Krüger erneut übergeben. Wagner ging zu ihm, um ihm zu helfen, aber da knallte etwas genau unter ihnen gegen die Bordwand und erschüttete das Schiff so sehr, dass Wagner kopfüber von Bord ging. Was allerdings niemand bemerkte. Aus dem Wasser heraus konnte er sehen was die Albatros gerammt hatte. Ein kleines Motorboot, niemand hatte es gesehen. Er wollte schon rufen, da sah er auf einmal, wie die Insassen, allesamt maskiert und bewaffnet auf die Albatros kletterten. Da verhielt er sich ruhig, und als er von innen Schreie hörte, wusste er, das etwas Schlimmes passiert seien musste.
Natürlich hatten diese 4 Bewaffneten gesamte die Besatzung der Albatros als Geiseln genommen. Nur wie sollte Wagner sich jetzt über Wasser halten, bis die Ablösung kam. Das konnte immerhin noch eine dreiviertel Stunde dauern und das Wasser war kalt. Außerdem konnte man bei diesem Seegang einen Schwimmer kaum erkennen.
Währenddessen näherte sich die Neustrelitz zur Ablösung. Wie durch ein Wunder wurde der schwimmende Wagner, der in die Richtung geschwommen war, aus der die Neustrelitz kommen musste, gefunden.
Seine ersten Worte waren: „Kapitän Sander stoppen sie sofort, auf der Albatros ist was passiert.“ Nach dem ersten Schock stoppte Sander dann auch die Maschinen. Jetzt wurde ein Schlachtplan zur Rettung der Albatros ausgefeilt.
Ja, nur wie sollte man am besten vorgehen. Es hatte ja niemand überhaupt eine Ahnung, was die Leute auf der Albatros wollten. Sander rief bei Gruber an, aber bei dem waren weder Forderungen noch sonst etwas eingetroffen. Und von dem völlig unterkühlten Wagner hatte man nur gehört, dass evtl. die Möglichkeit bestände, dass die Verbrecher Frau Pieper, den Norge-Ersatz nicht geschnappt hätten. Daraufhin antwortete Sander bloß: „Verflixt, ich hatte Gruber doch gewarnt. Aber mit dieser Frau…“ Es stellte sich heraus, dass die junge Sanitäterin keinesfalls ein unbeschriebenes Blatt war, eher im Gegenteil…
Kapitel 3
Langsam verdichtete sich der Verdacht, das sie vielleicht, mit dem Maskierten gemeinsame Sache machte. Denn auf Drängen von Sander hat Gruber in der Einsatzzentrale erfahren, dass der Freund von Hannah Pieper sehr gute Verbindungen zur Mafia hat und deren anliegen ist es nun mal Dreck auf Billige Weise zu entsorgen. Und wenn es auf Kosten von Menschen und Umwelt geht.
Aber das änderte jetzt nichts daran, dass die Albatros in großen Schwierigkeiten war. Auf erneute Anfrage von Sander, sagte Gruber: „Die Erpresser von der Albatros haben sich gemeldet und sie wissen anscheinend auch, dass sie in der Nähe sind, Sander. Sie wollen, dass sie sofort abziehen. Ach ja, und sie wollen die Verhandlungen direkt mit ihnen ausführen, warum auch immer.“ Sander stöhnte, aber dann willigte er ein und wies seinen Funker an, ihm eine Verbindung zur Albatros zu machen. Aber in diesem Augenblick klingelte sein Handy. Sander nahm ab und zuckte zusammen.
Wer war am Apparat? Natürlich Ehlers! Allerdings war er kaum zu verstehen, denn er musste leise sprechen damit ihn die Verbrecher nicht hörten. „Sander hören sie zu, ich weiß zwar nicht was die wollen, aber außer Hannah Pieper sind noch 4 Männer an Bord gekommen und die sind bis an die Zähne bewaffnet. Informieren sie außer Gruber auch noch Oberst v. Hardenberg vom SEK denn ich glaube wir haben es hier mit einer ungewöhnlichen Mischung aus Volkszugehörigkeiten zu tun. Ich glaube I….“
In diesem Augenblick brach dass Gespräch ab. Sander tat was ihm Ehlers aufgetragen hatte.
Und Gruber meinte: „Sprechen sie doch am besten selber mit dem Oberst.“ „Wie kann ich denn den erreichen?“ Warten sie ich gebe ihnen die Nummer.“
„Guten Tag Herr Oberst v. Hardenberg ich habe eine schlechte Nachricht für sie.“ Welche Überraschung für Sander, das ihm jetzt eine Frau Antwortete. „Ja, was ist passiert?“ Die Albatros wurde entführt.“ Sander konnte ihr Erschrecken auch durchs Telefon hören und dann die unterdrückten Worte: „Mein Gott, das ist doch Holgers Schiff.“ Sanders war einigermaßen überrascht von dieser Antwort. „Wenn sie damit Kapitän Ehlers meinen, dann ja. Er und seine Besatzung sind in höchster Gefahr. Wir brauchen ihre Hilfe, Kapitän Ehlers hat ausdrücklich darum gebeten sie zu informieren.“
Er hörte am anderen Ende einen tiefen Seufzer. „OK, ich werde ein paar meiner Jungs zusammen trommeln und dann kommen wir auf schnellsten Wege nach Neustadt. Ich möchte sie jetzt noch bitte mir einen ausführlichen Bericht über die Lage zu geben, mit ihrer Einschätzung. Damit wir einigermaßen vorbereitet sind, Kapitän Sander. Die notwendigen Formalitäten kläre ich auf dem kleinen Dienstweg direkt mit dem General.“
Sanders war einverstanden. „Wann werden wie sie erwarten können, Frau Oberst?“ Sie überlegte einen Moment. „Ich denke ich werde auf die schnelle einen Heli bekommen, den wir wahrscheinlich ja auch für den Einsatz brauchen. Wenn alles reibungslos klappt in ca. 3-4 Stunden. Ich hoffe dass es schnell genug sein wird. Versuchen sie alles um die Gangster hin zu halten.“ „Machen wir.“
„Kapitän, da kommt der Hubschrauber.“ „Das ist auch keine Minute zu früh. Ich hätte die auch nicht mehr lange hinhalten können“
„Oberst v. Hardenberg, wie sieht’s bei ihnen aus?“ „Es wird langsam sehr eng. Die sind kurz davor durchzudrehen. Ich weiß nur das da drüben geschossen wurde und wir haben eine kleinere Explosion gesehen, aber ich glaube das war nur eine Handgranate.“ „Dann wollen wir mal.“
Sie sind gerade auf der Brücke, da kommt ein weiterer Funkspruch von der Albatros: „Sander wenn sie sich nicht umgehend zurückziehen, gibt es hier den ersten Toten.“ „Sie wissen doch, das wir hier gar nicht weg können. Neben mir steht Obert v. Hardenberg, sie wir ab jetzt die Verhandlungen übernehmen.“ „Na gut, dann ein Weiberrock, sie werden schon sehen was sie davon haben.“ In dem Moment fällt ein Schuss. Alle werden blass, was ist jetzt passiert?
Corinna stand neben Sanders der sie ansah. Sie war in voller Einsatzkleidung vom Heli abgeseilt worden. Die Maske hatte sie herunter gezogen und so konnte er sehen das sie betroffen war. Aber sie nahm sich zusammen, schließlich war sie Profi und musste versuchen nur daran zu denken das Leben der Geiseln zu retten und zwar aller.
„Kinski was ist bei ihnen eigentlich passiert?“ „Wir haben soeben die erste Geisel eliminiert.“ Und jetzt versuchte der Oberst es mit der Schocktherapie: „Dann ist ja gut, ich dachte schon es wäre irgendwas passiert.“ Jetzt wurde am anderen Ende vernehmlich Luft geholt und dann war durch die offene Leitung zu hören: „Hannah, was sollen wir machen die nehmen uns ja nicht ernst?“ „Mensch lass dich doch nicht kirre machen, das machen die doch so, wenn sie nicht mehr weiter wissen. Manchmal können Schauspieler besser improvisieren, wie die Fachleute.“ Jetzt war es an Sander dem der Mund offen stehen blieb.
Er drängte Oberst v. Hardenberg kurzentschlossen von der Verbindung weg und sagte: „Hören sie, was auch immer da jetzt bei ihnen läuft, ich will jetzt sofort mit Frau Pieper reden!“ Am anderen Ende war es kurze Zeit still, dann kam die Geforderte an den Funk..
„Was gibt es? Sander, ich dachte, wir hätten uns klar ausgedrückt!“ „Pieper, sie sind doch sonst vernünftig. Sie wissen doch genau, dass sie keine Chance haben!“ „Sander, sie sind immer noch der gleiche, naive Idiot wie früher. Wir haben Geiseln!“ „Sie waren mal eine gute BGS-Beamtin, was ist denn in sie gefahren? Sie waren doch nicht immer so, ich selbst habe sie schließlich ausgebildet!“ Am anderen Ende der Leitung kehrte Schweigen ein. Als sie dann wieder antwortete klang die Stimme überhaupt nicht mehr selbstsicher, sondern eher zitterig. „Diese Zeiten sind vorbei, ich…“
In diesem Augenblick knallte es laut, eine Frau schrie laut auf und durch die offene Leitung war die Männerstimme von vorher zu hören: „Hannah! Scheiße, was machst du denn für Sachen!“ Dann sagte er laut in den Funk: „Wir melden uns wieder!“ Dann war die Leitung tot. Oberst v. Hardenberg funkelte Sander wütend an: „Na dass haben sie ja toll hingekriegt!“
Corinna war nur äußerlich ruhig, aber das musste sie ja auch sein.
Sie wusste dass es jetzt kein zurückgab. Sie nahm über Funk Kontakt mit ihren Leuten auf. Sie befahl den sofortigen Einsatz. Sie konnte es nicht riskieren das es noch mehr Tote oder Verletze da drüben auf der Albatros gab. Sie wäre liebe selber dabei gewesen aber das war nicht möglich. Der Heli flog den Albatros an und die Gruppe sprang vom Heli aus auf das Deck der Albatros ab. Sie bahnten sich als erstes einen Weg auf die Brücke.
Die Gangster hatten nicht damit gerechnet dass, das SEK so schnell reagierte. Hannah Pieper war die erste die es zu spüren bekam. Die SEK Leute fackelten nicht lange und schossen. Die junge Frau wurde voll getroffen und stürzte zu Boden, das löste bei dem neben ihr stehenden Mann, der auch am Funk gewesen war, einen Schock aus. So das er nicht reagieren konnte.
So waren schon mal 2 von den 5 außer Gefecht gesetzt, denn der Mann wurde sofort ins Traumland geschickt und dann gefesselt. Das rief jedoch die drei anderen auf den Plan und die wehrten sich wie die Berserker.
Das schlimmste kam allerdings noch, der eine meinte: „Wenn sie unsere Forderung nicht umgehend Erfüllen, sprenge ich das Schiff und mir ist egal wer dabei draufgeht.“ Um zu zeigen dass er es ernst meinte, hatte er die Fernzündung in der Hand. Einer aus der Eingreiftruppe machte den Versuch: „Aber sie gehen damit selber drauf.“ „Da machen sie sich mal keine Sorgen. Das ist alles Vorbereitet.“ „ OKEY, OKEY, aber das können wir nicht entscheiden, da müssen sie schon mit dem Oberst reden.“ „Und wo ist der?“ „Nur über Funk auf der Brücke zu erreichen.“ Unterdessen hatten andere schon die beiden anderen Geiselgangster festgesetzt. Also musste ihm nur noch der Fernzünder entzogen werden.
Corinna nahm den Funkspruch an. „Geben sie mir ihren Namen, damit wir reden können.“
Der Mann am anderen Ende knurrte. „Unwichtig!“ „Mit mir nicht, ich möchte sie mit Namen ansprechen.“ Corinna wollte Zeit gewinnen um ihren Leuten die Gelegenheit zu geben ihn zu überrumpeln. Sie wusste dass sie sich auf ihre Leute verlassen konnte.
„Nennen sie mich Karim“, gab der Mann an. Und ging somit auf sie ein. „OK Karim, dann reden wir mal ganz ruhig. Sie sehen dass sie in einer Aussichtslosen Lage sind. Ihre Freunde sind in unserer Gewalt. Und wenn sie jetzt die Albatros sprengen verschlimmern sie ihre gesamte Lage nur noch. Ich mache ihnen einen Vorschlag, sie geben meinen Leuten die Fernzündung und ergeben sich. Dann legen wir bei unseren Aussagen ein gutes Wort für sie ein.“ Am anderen Ende wurde es still.
Im nächsten Moment hörte sie lautes Getümmel – dann nach einigen Minunten kam die Stimme von Kai, dem Kollegen. „Lage unter Kontrolle!“ Corinna atmete auf. Dann fragte sie leise. „Wie geht es Holger?“ „Der ist Ok – aber…..
Zur Überraschung aller, war er mittlerweile auf die Brücke gekommen. Denn die Gangster hatten ihm doch einige Blessuren verpasst. Aber Kamp und Deisenroth hatten ihn soweit zusammengeflickt, damit er die Heimfahrt auf der Brücke antreten konnte.
Und sein erster Funkspruch lautete: „Corinna mich hat’s zwar erwischt, aber noch ist der Kopf oben. Wir machen uns jetzt auf den längst überfälligen Weg nach Neustadt und wenn Gruber nichts Neues einfällt, werden wir erst mal Hundemüde in unsere Betten fallen.“
„Ehlers, ich habe mitgehört. Ich habe nichts Neues. Aber was halten sie davon wenn die ganze Crew erst mal paar Tage frei macht.“ Auf diesen Funkspruch von Gruber, war die Müdigkeit nur noch halb so schlimm, und es brach ein allgemeiner Jubel aus.
