Kapitel 1
Nach dem Urlaub waren alle wieder voller Tatendrang. Aber erstmal ging es auf Streife und diesmal sah es auch nach Routine aus. Wolfgang hatte seine übliche Zigarre im Mund und rauchte sie sogar, da hieß soweit war mit den Maschinen alles in Ordnung. Auf der Brücke wurden auch erst mal muntere Reden geführt. Bis ein Anruf von Gruber kam. Ehlers ging selber ran.
„Wie? Herr Gruber, dass…“ Geplättet legte er auf. dann wies er die Mannschaft an sich und das Schiff für Repräsentationsaufgaben bereit zu machen. Wolfgang fragte: „Wer kommt den jetzt schon wieder?“ „Irgendein Ölscheich, der zuviel Geld hat und sich wohl eine eigene Flotte zusammenstellen will. Aber mehr weiß ich auch noch nicht. Das muss wohl ein ganz Prominenter sein, so wie Gruber sich anstellte.“ „Aha.“ sagte er und machte eine blaue Wolke.
Nachdem die Albatros wieder in Neustadt eingelaufen war, beteiligten sich alle der Mannschaft daran, das Schiff auf Hochglanz zu bringen. Währenddessen ging Ehlers zu Gruber ins Büro, um mehr über die Sache zu erfahren. Gruber war allerdings sehr zugeköpft. „Ich kann ihnen auch nicht vielmehr sagen. Die Delegation wird Morgen früh hier eintreffen und dann sollen sie mit ihnen rausfahren und ihnen die Albatros im Betrieb zeigen.“ Ehlers war nicht gerade begeistert aber was sollte es, ändern konnte er sowieso nichts daran.
Als er dann wieder an Bord kam, gab er die spärlichen Informationen weiter an die Mannschaft. „Also wenn alles klar an Bord ist haben wir frei? “ wollte Unterbaur wissen. „Sieht so aus. Morgen um 9.00 Uhr laufen wir aus.“ „Na, dann nichts wie weg, treffen wir uns noch bei Kalle?“
Alex kam als erste an und erlebte eine Überraschung: „Hallo Kai, heißt das, dass du uns auf der nächsten Streife wieder begleitest?“ „Ja, wenn du nichts dagegen hast. Kommen die anderen heute eigentlich auch noch?“ „Eigentlich wollten wir uns hier treffen. Aber wir mussten die Albatros erst auf Hochglanz bringen und vielleicht muss sich der eine oder andere auch noch putzen.“ „Ja, ja, ich weiß schon, Onkel Hermann deutete so was an.“
Jetzt mischte sich Kalle ein, nachdem er endlich Zeit hatte, weil die meisten Gäste schon weg waren: „Wenn ihr morgen so hohen Besuch habt, will ich euch mal ein gutes Essen machen, damit ihr auch Kraft und Nerven habt. Und du Norge kannst ja erst recht was vertragen.“
Allmählich tröpfelte dann auch die restliche Mannschaft ein und nicht nur die. Die Mannschaft von Kapitän Sander kam natürlich gleich mit und dann noch Corinna.
„Ach Kinder auf soviel Gäste bin ich ja gar nicht eingerichtet. Da brauche ich aber Hilfe in der Kombüse. Sollen die Smutjes doch mal zeigen was sie an Land taugen.“ Norge und Müller taten erst recht unwillig, aber gingen doch ganz gern mit. Nachdem nun alle versammelt waren sah Holger Corinna fragend an. „Meinst du wir sollten jetzt?“ Corinna nickte. „Ja ich denke jetzt ist genau die richtige Zeit.“
Holger nickte und stand auf. „Ich Bitte alle um einen kleinen Moment Aufmerksamkeit. Corinna und ich haben was mitzuteilen.“ Alle sahen ihn gespannt. Norge konnte es sich wiedermal nicht verkneifen. „Kündigt er jetzt schon ihre Hochzeit an?“ flachste er. Alex stieß ihm in die Rippen. „Ruhe!“
„Also ich will es kurz und knapp machen. Corinna wird ab nächsten Monat hier in Neustadt die neue MEK zusammenstellen und auch leiten. Das heißt, sie wird von jetzt an hier in Neustadt sein. Ich denke dass wir uns alle darüber freuen. Also erheben wir unser Glas auf Oberst Corinna von Hardenberg.“ Corinna lächelte ihn an. „Und die nächste Runde gehet natürlich auf mich.“ Alle prosteten ihnen zu.
„Gehen sie Morgen auch mit an Bord, Oberst?“ wollte Kalle wissen.“ Corinna nickte. „Ja ich denke da ist eine gute Gelegenheit um mich an den Bordbetrieb zu gewöhnen. Ich muss ja auch Seefest werden.“ Sie lachte.
Am nächsten Morgen kam Gruber mit dem Oberst und einer ganzen Abordnung zur Pier. Norge frech wie immer, meinte: „Mein Gott, sollen wir diesen ganzen Auftrieb spazieren fahren?“ Darauf meinte Ehlers: „Norge, halten sie doch ihre vorlaute Klappe.“ Dabei hatte er gerade das Gleiche gedacht.
„Ehlers, diese Delegation kommt aus den Arabischen Emiraten und möchten eine eigene Küstenwache zusammenstellen. Aus diesem Grund schauen sie sich die verschiedenen Bootstypen an und wollen mit der Albatros eine Probefahrt machen.“ „Herr Gruber, sollen alle diese Herrschaften mit?“ „Ja natürlich, ist das ein Problem Ehlers?“ „Ja für den Notfall haben wir gar nicht so viele Rettungsboote an Bord. Also würde ich bitten, dass 6 Personen hier bleiben. – Würden sie sich bitte entscheiden, wer an Bord geht und wer nicht.“ Gruber wird blass: „Aber Ehlers, dass können sie doch mit unseren Gästen nicht machen.“ „Doch Herr Gruber, an Bord habe schließlich ich die Verantwortung und sie werden doch nicht erwarten, dass ich auf meine Leute verzichte?“ „Nein, natürlich nicht so gesehen haben sie natürlich Recht.“
Gruber war nicht gerade begeistert darüber, aber er sah ein dass es nicht anders ging. Also wurde mit der Delegation besprochen wer an Land bleiben sollte. Nachdem das geklärt war gingen dann die anderen an Bord. Während des Ablegens stand der Gutaussehende junge Araber neben Corinna die mit auf der Brücke war. Holger Ehlers beobachtete wie er immer wieder zu Corinna hinsah. Und das gefiel ihm gar nicht!
Nachdem sie die Neustädter Bucht verlassen hatten und auf die Mecklenburger Bucht hinausgefahren waren wollte er mit der Schiffsführung beginnen. Zu seinem Unwillen bat der junge Scheich darum dass Corinna sie begleiten sollte. Corinna konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als sie Holgers Gesicht sah. Mit verkniffener Mine begann Kapitän Ehlers die Gruppe durch das Schiff zu führen und zu erklären. Corinna hielt sich zwar im Hintergrund aber sie wurde immer wieder von dem jungen Scheich angesprochen. Sie erwiderte seine Aufmerksamkeit mit einem bezaubernden lächeln dass Eisberge hätte schmelzen lassen.
Innerlich kochte der Kapitän, aber Corinna gedachte dieses Spielchen noch etwas fortzuführen. Denn ernste Absichten hatte sie natürlich nicht.
Nachdem die Führung dann beendet war meinte Holger zu Corinna: „Ich dachte du wolltest seefest werden und nicht mich ärgern.“ Daraufhin erwiderte Corinna mit unschuldigem Gesicht: „Habe ich das etwas … Das war gar nicht meine Absicht.“
In diesem Moment kam der Ruf: „Kapitän bitte auf die Brücke.“ „Ja Jana was ist denn?“ „Da kommt was auf uns zu Holger. Schau mal hier.“ „Na wunderbar. Hoffentlich wird`s nicht allzu schlimm. Ich weiß nicht wie seefest die Araber sind. – Auf jedenfall lassen sie schon mal alles an Deck sichern und Schwimmwesten ausgeben.“ „Gut Holger, wird gemacht.“
Holger sah besorgt auf die Wetterfront die sich ihnen in hohem Tempo näherte. Das sah wirklich nicht gut aus. Und sie waren gerade aus dem Schatten von Fehmarn hinaus, so dass die Dünung sie voll erwischen würde.
Um die Delegation zu warnen, begab er sich unter Deck. Dort kam er gerade dazu wie sich der junge Scheich mit Corinna unterhielt.
„Frauen wie sie gibt es bei uns nicht.“ Corinna sah ihn offen an. „Bedauern sie das, Hoheit?“ „Nun ja, ich habe in Berlin studiert und ich weiß ein gutes Gespräch zu schätzen.“
„Entschuldigen sie wenn ich störe, Hoheit. Aber wie es aussieht bekommen wir eine Schlechtwetterfront. Sollen wir Neustadt anlaufen?“ Der Junge Scheich sah ihn an.“ Glauben sie wir würden das nicht aushalten? Oder haben sie Angst um ihr Schiff, Kapitän?“
Holger musste sich stark zurückhalten. „Ein Schiff, wie die Albatros hält das schon aus. Ich wollte ihnen nur Bescheid geben.“ „Gut, das haben sie nun getan, danke. Aber wir sollten die Fahrt fortsetzten.“ „Wie sie meinen“, er warf Corinna noch einen Blick zu und verschwand dann wieder auf die Brücke. Der Scheich war gut, er wusste ja nicht was da für Wellen auf uns zu kommen. Aber was soll`s, er hat ja dann das Problem.
Jana kam gerade von Draußen zurück: „Holger, wir würde es gar nicht mehr zurück schaffen. Die Dünung wird schon höher und der Wind frischt auf.“ „Ja gut, ist Draußen alles festgezurrt?“ „Ja das ging gerade noch, aber ab jetzt, betritt wohl besser keiner der Passagiere, mehr das Deck.“ „Gut gib du das an unsere Gäste weiter.“ Denn Holger verspürte keine Sehnsucht danach, die beiden im Moment zu sehen. „Ich werde mit Norge alles Nötige besprechen.“ „Na, das kochen kann er sich ja wohl sparen.“ Holger gab zwar keine Antwort, aber sein Gesicht sagte genug.
„Norge stellen sie bitte genug Eimer in die Messe. So wie ich sehe müssen wir mir Windstärke 11 rechnen.“ Bei diesen Worten wurde selbst Norge blass. Ehlers meinte: „Wir bekommen doch nicht etwa einen seekranken Sanitäter?“ „Ich werde mich bemühen. – Soll ich irgendwas in der Küche machen?“ „Für uns Kaffee und Brote und für unsere Gäste …“
… na ich denke die werden wohl keine Lust auf was zu essen haben.“ Norge grinste. Obwohl auch ihm nicht ganz wohl war bei dem Gedanken.
Jana ging nach unten zu der Delegation um ihnen die Lage mitzuteilen.
„Sie sollten sich ab sofort nur noch unter Deck aufhalten, oben ist es zu gefährlich.“ Corinna sah Jana fragend an. „Wie schlimm wird es?“ „Es kann bis zu Windstärke 10-11 werden. Also es wird ganz schön haarig.“ Corinna nickte und dann ging sie hinauf auf die Brücke.
Holger sah sie an. „Na konntest du dich von dem Scheich trennen?“ „Ach komm hör schon auf, Holger. Was hast du vor?“ „Wir müssen versuchen unter Land zu kommen, also haben wir den Kurs nach Warnemünde genommen. Aber unten sollten sich alle gut festhalten. Es wird sehr hart werden.“ „Aber doch nicht zu nah an Land sonst laufen wir doch auf?“
Corinna nickte. „Ich bleibe bei der Delegation.“
Darauf meinte Jana: „Egal wie ich hoffe ihr Magen hält einiges aus, denn die Araber werden wohl über den Eimern hängen.“ „Um das auszuprobieren bin ich ja hier, aber mit so einer Windstärke habe ich nicht gerechnet. – Kann ich hier oben bleiben?“ „Von mir aus.“ Und mit hintergründigem Lächeln: „Solange der Kapitän sie nicht runter wirft, aber dass wird er ja wohl kaum tun.“„Das tue ich auch nicht, aber ich bitte die Damen um etwas mehr Ernst.“ Aber sein Gesicht sagt etwas anderes.“
Wolfgang kam mit Zigarre im Mundwinkel, lachend rauf: „So, Norge hat zu tun, die ersten fangen an zu spucken. – Übrigens der Scheich auch.“ „Dabei ist es ja noch nicht mal richtig losgegangen. – Corinna, ich glaube du bleibst doch besser bei mir.“ „Hab auch gar nichts anderes vor, Holger.“ Da meinte Wolfgang: „Denkt dran, ihr seid hier nicht alleine.“
Hier, Krüger wies mit dem Zeigefinger auf eine Karte und musste sich im nächsten Augenblick bereits an Ehlers festklammern, weil das Schiff heftig schlingerte. Allerdings half dass auch wenig, beide landeten auf dem Fußboden. „Wolfgang“, rief Ehlers, „Was ist denn los?“ Unterbaur kam die Treppe hinaufgeschwankt. „Wir haben ein Problem.“ rief er.“ Die Maschinen sind ausgefallen und wir haben weder Strom noch Funkkontakt.“ Auch Norge hatte schlechte Nachrichten. „Kapitän, die Araber machen Stress. Die wollen jetzt doch zurück. Und wo ist eigentlich Frau Johannson? Ich habe das ganze Schiff abgesucht und sie nirgends gefunden!“
Jetzt musste Holger doch grinsen. Der Ärger auf Corinna war längst verflogen. Er sah sie von der Seite an. „Geht es dir gut?“ Corinna nickte. Sie merkte schon den Wellengang aber noch hielt es sich in Grenzen.
Inzwischen hatten sich der Wind und der Wellengang verstärkt, das Boot rollte ziemlich. Bei jedem Schlag der Wellen mussten sie sich festhalten.
Corinna konnte sich lebhaft vorstellen wie es unter Deck aussehen musste. Aber sie glaubte dass es besser war jetzt nicht nach unten zu gehen, es könnte dem Scheich ja peinlich sein das sie ihn so sehen würde.
Dann meldete sich Krüger. „Kapitän, ich habe da einen verstümmelten Funkspruch aufgefangen. Da scheint ein Boot in Seenot geraten zu sein.“ „Haben sie eine Position?“ „Unvollständig. Und die Verbindung ist unterbrochen.“ „Ok dann geben sie mir was sie haben.“
„Es hörte sich an wie 54˚ ..`N 13˚ 1. O“ „Jana was sagt der Radar“ „Nichts, es ist alles ausgefallen.“ „Gut ich versuche Gruber ans Handy zu bekommen. – Herr Gruber wissen sie was über einen Notruf bei dieser ungefähren Position?“ „Ja, haben wir gut empfangen. Ehlers was ist eigentlich bei ihnen los?“ „Eine Katastrophe. Die Maschinen und die Stromversorgung sind ausgefallen, d.h. wir haben nur noch unsere Handys. Geben sie die Position und was sie sonst noch haben. Ich will den Akku nicht so belasten, wer weiß wofür wir den noch brauchen.“ Also gut, sie sind sowieso die einzigen die hin können. Position: 54˚ 23` N 13˚ 15`O Motoryacht Sonne Motorschaden. – Was meinen sie wann sie da sind?“ „Weiß nicht, wann Unterbaur die Maschine wieder in Gang bekommt. – Wir melden uns.“
Corinna hielt sich fest. „OK also Arbeitsteilung, Holger. Ich kümmere mich um die Araber und du ums Schiff.“ Holger nickte ihr dankbar zu. Er war jetzt nicht gerade erpicht darauf sich auch noch mit dem Scheich herum zu ärgern. „OK!“
Corinna versuchte den Niedergang ohne zu stürzen herunter zu kommen und dort traf sie auf Alex Johannson. Sie klammerte an die Tür einer Kabine und war kalkweiß im Gesicht. Corinna hangelte sich zu ihr. „Gehen sie in den Saniraum und legen sie sich hin.“ Alex nickte nur schwach.
Dann hangelte sich Corinna weiter zur Messe wo die Delegation war. Da sahen alle blass aus. Und der Scheich sah sie an. „Sagen sie dem Kapitän dass wir zurück fahren wollen!“ „Das geht nicht, erstens haben wir einen Einsatz und zweitens würden wir gar nicht zurückkommen. Sie müssen es hier aushalten Hoheit. Wir tun was wir können.“
Danach wandte sie sich an Norge: „Herr Norge, vielleicht schauen sie sich mal Frau Johannson an.“ „Klar, wo ist sie denn?“ „Im Sani-Raum.“ Und Norge verschwanden.
In Neustadt war derweil die Hölle los. Gruber informierte Sander über die Geschehnisse und befahl ihm sofort auszulaufen, zum einen um der Albatros zu helfen, zum anderen um die Araber wieder zurückzubringen. Aber Sander protestierte: „Herr Gruber, sie wissen doch ganz genau, dass das nicht geht. Ich habe weder eine vollständige Mannschaft, noch ein einsatzfähiges Boot, wir würden nach 50 Metern absaufen!“ Aber Gruber erwiderte: „Das war keine Bitte, sondern ein Befehl!“ Also lief Sander aus und der Tatsache dass sein LM ein gutes Verhältnis zu Unterbaur hat, kamen sie auch aus dem Hafen … Aber bis zur Albatros waren es immerhin noch 30 sm. Und das mit mangelhafter Ausrüstung und bis zu 10 m hohen Wellen.
Sander rief erstmal Ehlers an, um sich mit ihm zu besprechen: „Ehlers, Gruber hat uns rausgeschickt ihnen zu helfen, wieweit sind sie eigentlich?“ „Ich weiß gar nicht, ob wir die Maschinen eher in Gang bekommen oder uns die Wellen vorher versenkt haben. Aber helfen können sie uns nichts. – Oder doch, können sie den Havaristen übernehmen? Haben sie die Daten.“ „Ja das machen wir doch. Sehen sie mal zu, dass sie nach Neustadt zurückkommen. – Übrigens wie geht es den Arabern?“ „Erinnern sie mich nicht daran, die nerven dauernd ihnen ist so schlecht und sie wollen an Land.“ „Dann noch gute Fahrt.“
Inzwischen arbeiteten Wolfgang und Holger mal wieder zusammen an der Maschine. Nur half nichts. „Wie lange können wir uns eigentlich, ohne Pumpen bei dem Wellengang, noch halten, Wolfgang?“ Wolfgang inzwischen schon ohne Zigarre meinte Achselzuckend: „Hoffentlich länger wie der Sturm.“
„Wie schaut`s aus?“ Norge stand auf einmal hinter den beiden. „Scheiße“, antwortete Unterbaur, „Wenn der Sturm noch andauert, haben wir ein Problem. Aber was willst du denn eigentlich hier? Uns helfen?“ „Wohl kaum.“ Norge schaffte es trotz aller Umstände noch zu lachen „Ich hab was für euch. Zur Stärkung.“ „Oh nein! Kai, verschon uns!“ Unterbaur wurde ganz grün im Gesicht. Und Ehlers meinte: „Das war wirklich lieb gemeint Norge, aber ich glaube wir kriegen nichts runter. Aber sagen sie mal, wie geht’s eigentlich Frau Johannson?“ „Gute Frage, sie ist nämlich nicht seekrank.“ „Nicht?“ „Nein, ganz bestimmt nicht. Aber ich glaube das sie eine Lebensmittelvergiftung hat, auf jedenfall passiert ihr bei dem Seegang da beste, vielleicht kuriert sie sich selber.“ „Wie geht es eigentlich den anderen von der Mannschaft?“ Also, so schlimm habe ich es noch nicht erlebt. Es waren alle schon da um sich das eine oder andere zu holen.“ „Wissen sie was der Wetterbericht sagt?“ „Nö es reicht mir auch so. Aber ich kann ja mal fragen.“ „Tun sie das Norge.“
Nachdem Norge weg war sagte Ehlers zu Wolfgang: „Endlich haben wir wieder Ruhe. Wie geht es dir eigentlich?“ Frag nicht!“ Und rennt zum nächsten Eimer.
Corinna war in der Messe bei den Arabern geblieben. Sie nervten sie die ganze Zeit dass sie unbedingt zurück nach Neustadt wollten. Corinna versuchte immer wieder ihnen zu erklären dass es nicht möglich war ohne dabei zu sagen dass sie Probleme mit der Maschine hatten. Sie wollte nicht auch noch eine Panik riskieren. Nachdem sich die Delegation einigermaßen beruhigt hatte ging sie dann wieder auf die Brücke zurück.
„Wie sieht es aus?“ Jana Deisenroth zuckte mit den Schultern. „Wenn Wolfgang die Maschinen hin bekommt dann könne wir es schaffen.“ „Was sagt der Wetterbericht?“ Jana schüttelte den Kopf. „Es scheint sich nicht zu bessern. Aber um den Havaristen müssen wir uns nicht mehr kümmern, das macht Sander. Haben sie den Arabern gesagt das wir Maschinenschaden haben?“ Corinna schüttelte den Kopf. „Nein. Wenn es eben geht will ich das vermeiden. Wo ist Holger?“ „Bei Wolfgang.“
Corinna kletterte hinunter in den Maschinenraum wo die beiden verbissen arbeiteten.“ „Ich will euch nicht stören, aber wie sieht es aus?“….
Wolfgang brummelte so was wie: „Nicht gut.“ Und Holger sagte schon gar nichts mehr. Aber dann fragte er doch: „Wie sieht’s oben aus? Was sagt der Wetterbericht?“ „Bis jetzt keine Änderung.“ Dann hieß es plötzlich: „Kapitän bitte auch die Brücke.“
„Was gibt´s denn Jana?“ „Die Probleme reißen nicht ab, jetzt hat die Neustrelitz auch noch Maschinenschaden und dazu auch noch Wassereinbruch.“ Jetzt meinte Holger mit unterdrückter Wut: „Was schickt Gruber auch für einen Schrotthaufen, bei solchem Wetter raus. Typisch Bürohengst.“ Nur gut dass der Funk defekt war, sonst hätte Gruber wohl was zuhören bekommen. „Ich ruf Sander mal an, vielleicht können wir ja helfen? – Sander wie sieht`s bei ihnen aus.“ „Nicht ganz so schlimm wie ich Frau Deisenroth sagte. Denn Wassereinbruch haben wir unter Kontrolle und beim abdichten. Schlimmer sieht die Maschine aus. Aber da unterhalten sich unsere LM`s besser selber.“ „Aber Vorsicht. Wolfgang ist kurz vorm Platzen.“ „Sieht`s bei ihnen so schlimm aus.“ „Das ist eine leichte Untertreibung, ich bin zurzeit Hilfsmaschinist. – Sagen sie Gruber Bescheidet. Ich muss wieder runter.“ OK, mache ich.“ Corinna hatte unter dessen andere Probleme.
Die Männer unter Deck wurden immer unruhiger. Irgendwie hatten sie mit bekommen, dass sie Maschinenschaden hatten. Es erhob sich ein ungeheurer Wortschwall. Vergeblich versuchte sie den Leuten begreiflich zumachen das sie sich ruhig verhalten sollten.
Und dann drehte einer der Delegation vollkommen durch. Er bahnte sich den Weg nach oben frei und gelangte aufs Deck hinaus. Der Sturm war noch so heftig das es ihn geradezu über Bord riss. Corinna hatte ihn nicht mehr halten können. Ohne weiter nachzudenken schnappte sie sich eine Schwimmweste und sprang ihm nach.
Jana wurde blass als sie sah wie sie über Bord sprang. Und dann halte es auch schon durch das ganze Schiff – „Mann über Bord!“ Jetzt hatten die beiden die Maschinen notdürftig repariert und sie hofften, dass es einige Zeit halten würde. Allerdings wurde dieses freudige Ereignis gleich wieder Überschattet, als Holger erfuhr, was passiert war.
Norge und Unterbaur mussten ihn mit Gewalt daran hindern hinterher zuspringen. Während Jana und Alex der es in zwischen wieder besser ging auf ihn einredeten. „Wolfgang fahr die Maschinen hoch, damit wir hinterher fahren können.“ „Aber nicht zu weit du weißt sie halten nicht viel aus.“ Da meinte Jana: „Täusche ich mich oder lässt der Orkan etwas nach. Dann haben wir ja sogar eine Chance die beiden zu finden.“
Kapitel 2
„Wolfgang können wir die Wärmebildkamera in Betrieb nehmen?“ „Versuchs, mehr als das wir alle im Dunkeln stehen kann eigentlich nicht passieren.“ Und schaltete die Kamera ein, Oh Wunder ging es gut.
„Jana wie sieht es unter Deck aus? Drohen uns noch weitere Panikattacken?“ Da meinte Norge: Da werde ich wohl besser mit Wagner nachschauen gehen.“
Während Norge nach unten ging hatte Unterbaur die Maschinen soweit es ging hochgefahren. Die Albatros kämpfte sich gegen die Wellen durch zu der Position an der die beiden über Bord gegangen waren. Auf der Brücke stand ein kreidebleicher Kapitän und umkrampfte mit seinen Händen die Rückenlehen es Stuhls des Rudergängers.
Corinna hatte erhebliche Schwierigkeiten sich über Wasser zu halten obwohl sie eine geübte, ausdauernde Schwimmerin war. Sie versuchte den Mann zu erreichen. Als es ihr gelungen war packte sie ihn und hielt ihn so gut wie möglich über Wasser. Sie hoffte inständig dass die Albatros ihnen helfen konnte.
Jana stand an der Wärmebildkamera. „Da, da sind sie. Langsame Fahrt Wolfgang sonst sind wir vorbei.“ Jetzt hielt den Kapitän nichts mehr auf der Brücke. Zusammen mit zwei Crewmitgliedern stand er an der Rehling. Und dann sah er die beiden. Corinna hielt den Araber über Wasser. Sie warfen ihr die Rettungsleine zu und beim zweiten Versuch gelang es ihr sie zu fangen.
10 Minuten später waren beide an Bord und in der Sanikammer. Und Holger schloss Corinna erleichtert in seine Arme. In diesem Augenblick rannte Wagner die Treppe hinauf. Er hatte eine Platzwunde über dem linken Auge und schien nur mühsam Luft zu kriegen. „Die… drehen total…durch…Norge versucht sie…sie zu beruhigen, aber…alleine hat er keine…Chance!“
Ehlers stöhnte auf: „Das hat uns gerade noch gefehlt! Dass unsere Herrn Araber jetzt Panik kriegen!“ Und zu Wagner gewandt meinte er: „Sie legen sich jetzt am besten hin, ja?“ Wagner nickte und stolperte, eine Hand in den Magen gepresst, davon. „Also ihr habt gehört! Alles was gesund ist kommt mit Araber bändigen.“ Da kam Norge auch noch rauf gekrochen: „Die schl agen ja schli mmer um sich wie eine Pferde horde.“ Und gleich danach kamen die Araber Kopflos auf die Brücke gestürzt. Wolfgang konnte Norge gerade noch beiseite schieben, sonst hätten die Kerle in noch überrannt. „Jeder greift sich einen – LOS!“ Und nach 5 Minuten saßen die Herren dann brav in der Messe.
„Hoffentlich halten die Maschinen bis Neustadt.“ Um das Maß voll zu machen, war Gruber jetzt auch noch am Funk und er polterte los: „Ehlers, eben hat mich einer der Delegation angerufen und sagte mir sie hätten sie alle in der Messe eingeschlossen. Ehlers, wie können sie so etwas nur machen.“ Nach mehreren Versuchen konnte er endlich antworten. In erzwungener Ruhe erwiderte er: „Herr Gruber, die Herren sind in Panik geraten und hätten beinahe Schiff und Mannschaft auf den Meeresgrund geschickt. Ist das etwa kein Grund?“
Gruber holte tief Luft: „Ich werde… ähm, wurde irgend jemand verletzt?“ „Nein, Norge ist schon wieder auf den Beinen, nur Wagner geht’s nicht so besonders.“
Ehlers beendete das Gespräch und ging in den Sani-Raum, um mit Norge zu sprechen. Vermutlich war er der einzige, der jetzt noch vernünftig mit Gruber reden konnte.
„Norge, ich…“, setzte er an, als er seinem Sanitäter ins Gesicht schaute. Auch Norge war nicht ohne Schäden davongekommen, trotzdem kümmerte er sich bereits um Wagner. „Sie spielen das nächste Mal bitte nicht den Helden, kapiert?“ Norge sah ihn nervös an: „Sind sie hier um mir das zu sagen?“ „Nein, ich wollte sie bitten mal mit ihrem Onkel zu reden, der benötigt dringend mal Urlaub!“ Nachdem sich die Lage einigermaßen beruhigt hatte konnte auch Holger Ehlers mal Luft holen.
Und als erstes ging er zu Corinna. „Wie fühlst du dich? Ist alles in Ordnung?“ fragte er besorgt. Sie nickte, sie war immer noch etwas mitgenommen. „Es geht schon. Was war da los, “ er wischte es mit einer Handbewegung weg. „Komm lass, die Burschen da unten haben durchgedreht aber wir haben die Lage unter Kontrolle.“ Sie stand auf. „Warum hast du mich nicht gerufen?“ „Hey, du hast schon genug getan. – Und bitte mach so was nie wieder. Ich hatte schon Angst dass du es nicht schaffst.“
Corinna lächelte. „Na wenn wir abgesoffen wären, hättest du keinen Konkurrenten mehr gehabt.“ Er nahm sie in die Arme. „Aber dich auch nicht mehr. Also keine Scherze mit so was. Und das meine ich ernst!“
Nachdem auf der Albatros alles wieder so weit im Lot war, hatte die Neustrelitz immer noch Probleme. Außerdem rief die Motoryacht Sonne mittlerweile SOS. Also versuchte sich die Albatros zur Sonne durchzukämpfen.
Inzwischen hatten sich unsere Gäste und das Wetter sich wieder beruhigt und die Sonne war sogar schon auf dem Radar zu sehen.
Aber was war das, die Sonne war nur noch zur Hälfte über Wasser. Da meinte Jana: „Jetzt bleibt uns wohl nichts mehr viel zu tun, außer den Skipper und seine Leute an Bord zu nehmen.“ „Jana, dann mach mal alles zum Bergen fertig.“
Kapitän Blume war ziemlich aufgeregt und machte uns Vorwürfe, warum wir erst jetzt kommen, nachdem die Yacht verloren ist. „Kapitän Blume, können sie sich vorstellen, dass die Küstenwache bei diesem Orkan auch noch was anderes zu tun hat wie sie zu bergen. – Warum haben sie denn nicht die Wasserwacht angefunkt?“ Jetzt etwas kleinlauter meinte er: „Daran haben wir gar nicht gedacht, Kapitän.“
Da die Maschine jetzt wieder einigermaßen lief, konnten sie die Neustrelitz in Schlepp nehmen und sich auf den Rückweg nach Neustadt machen. Wenn auch ganz langsam.
Corinna hatte sich inzwischen um die Delegation in der Messe gekümmert. Nachdem sie einige Zeit mit ihnen geredet hatten erschien der junge Scheich zusammen mit ihr auf der Brücke.
„Kapitän, ich möchte mich bei ihnen und ihrer Mannschaft bedanken und auch entschuldigen für unser Benehmen. Halten sie uns zu Gute, dass wir an eine solche Situation nicht gewöhnt sind. Wir waren in Panik. Sie und ihre Mannschaft und vor allem auch Oberst von Hardenberg haben durch ihre Umsicht und ihren Mut unser Leben gerettet.“
Kapitän Ehlers und seine Leute waren erstaunt. Das hatten sie nicht erwartet. „War doch selbstverständlich Hoheit.“ meinte er nur knapp. Und dann beugte sich der junge Scheich zu ihn hinüber und flüsterte ihm zu: „Und ich kann verstehen das sie eine Frau wie diese nicht verlieren wollen.“ Dabei lächelte er ihn vielsagend an.
Nachdem Gruber informiert war machten sie mit dieser Überladung auf den Weg nach Neustadt. Corinna hatte dem General erzählt was passiert war.
Als sie in Neustadt ankamen empfing sie ein recht kleinlauter Herr Gruber und lobte die Crew der Albatros für ihr umsichtiges Verhalten. Auch bei Kapitän Blume entschuldigte sich Gruber, dass er seine Yacht verloren hat. Und das Reparaturteam machte sich sofort über die Neustrelitz her.
„Herr Gruber, das Leck ist nicht so schlimm, aber die Maschine ist Totalschaden.“ „Was meinen sie denn, wann das Schiff wieder einsatzfähig ist?“ „Rechnen sie lieber mit einigen Monaten, es müssen erst einige Ersatzteile bestellt werden.
