Christine Kabus
Christine Kabus arbeitete nach ihrem Studium (Geschichte / Germanistik) drei Jahre an verschiedenen Theatern als Regieassistentin und Dramaturgin.
1996 wechselte sie in die Filmbranche und bekam eine Stelle als Lektorin bei KirchMedia in München. Dort beurteilte Christine Kabus sieben Jahre lang Drehbücher und betreute viele Filmprojekte als Dramaturgin.
Nebenbei besuchte sie Drehbuchseminare. Als Christine Kabus sich 2003 selbstständig machte, begann sie ihren lang gehegten Wunsch zu realisieren, selber Stoffe zu entwickeln und Drehbücher zu schreiben.
Lesen Sie nun das interessante Interview welches ich mit Christine Kabus im Juni 2006 per E-Mail geführt habe:
J. Plötzner: Guten Tag Frau Kabus. Sie haben nun erstmals ein Drehbuch zur OPAL Film geschickt, welches als Episode gedreht wurde. Sind Sie von Beruf Autorin und wenn ja wie sind Sie dazu gekommen?
Chr. Kabus: Von Beruf bin ich eigentlich Filmdramaturgin und Lektorin, wollte aber schon immer selber schreiben. Seit drei Jahren bin ich selbstständig und versuche, als Autorin einen Fuß in die Tür zu bekommen – gar nicht so einfach in einer Branche, in der sehr viel über persönliche Kontakte läuft und „unverfilmte“ Neulinge eher selten eine Chance bekommen.
J. Plötzner: Wie kamen Sie zu dem Entschluss ein Drehbuch für die Küstenwache zu schreiben?
Chr. Kabus: Von einer befreundeten Autorin hörte ich letzten Sommer, dass Opal-Film neue Stoffe bzw. Autoren suchte. Da mir das Konzept der Serie gut gefiel und ich Kriminalgeschichten liebe (sowohl als Leser und Zuschauer aber eben auch als Autorin), reichte ich ein Exposé ein. Die Geschichte kam gut an, und nach einigen Überarbeitungen bekam ich dann den offiziellen Auftrag, ein Drehbuch zu schreiben.
J. Plötzner: Sie wohnen in München, weit weg von der Ostsee. Welches Verhältnis haben Sie zur See?
Chr. Kabus: Ich fand das Meer immer schon von klein auf faszinierend und war im Urlaub oft an der Nordsee oder am Mittelmeer. Die Ostsee lernte ich zum ersten Mal vor sechs Jahren kennen, als ich auf Usedom Ferien machte. Ich war sofort „verliebt“ in diese besondere Landschaft. Außerdem habe ich einen Freund, der ganz vernarrt ist in alles Maritime und sich bestens auskennt mit Schiffen, Seefahrt, Marine etc. Sehr praktisch für die Recherche!
Die Ostsee beschäftigt mich derzeit aber auch aus einer anderen Perspektive, nämlich einer historischen. Ich habe das Konzept und den Text für eine Dokufiction über Stralsund in der Hansezeit geschrieben, die von einer jungen Regisseurin als Abschlussprojekt ihres Filmstudiums gemacht wird.
J. Plötzner: Schreiben Sie auch Drehbücher für andere Fernsehserien?
Chr. Kabus: Nein, bisher noch nicht. Ich habe für eine Münchner Produktionsfirma ein Treatment für eine Romantic Comedy entwickelt, das jetzt bei der ARD geprüft wird. Für eine Berliner Firma schreibe ich aktuell an einer Thrillerkomödie. Aber ob diese Stoffe dann auch verfilmt werden, ist noch völlig offen.
J. Plötzner: Wie viel Zeit ist von der Idee über die Recherche bis zur Fertigstellung des KüWa Drehbuches vergangen?
Chr. Kabus: Das erste Exposé entwickelte ich letztes Jahr im Juni. Kurz darauf wurde ich zu einem ersten persönlichen Gespräch in Berlin eingeladen, wo mir ein paar Änderungswünsche mitgeteilt wurden. Die daraufhin überarbeitete Fassung musste eine Weile auf das kritische Auge der Produzentin warten, die mitten in den Dreharbeiten bzw. anderen Stoffentwicklungen steckte. Erst im Spätherbst ging es weiter, dann allerdings Schlag auf Schlag. Denn nach einer weiteren geänderten Fassung meiner Geschichte teilte mir die Produzentin mit, dass ich nun offiziell beauftragt würde, das Drehbuch zu entwickeln, d.h. ich bekam einen mehrstufigen Drehbuchvertrag. Über Weihnachten schrieb ich die erste Treatmentfassung, also die Handlung in Szenen, aber noch ohne Dialoge. Im Januar fand ein Buchgespräch mit der Produzentin und ihrer Assistentin statt, bei dem Änderungswünsche und Kritikpunkte besprochen wurden, die ich dann in die zweite Fassung einarbeitete. Anschließend schrieb ich die erste Drehbuchversion, nach einem weiteren Buchgespräch im Februar eine zweite Fassung. Das dritte und letzte Drehbuch stellte ich Mitte März fertig und bekam Anfang April die Nachricht, dass es „abgenommen“ wurde, d.h. ich hatte den Vertrag erfüllt. An der abschließenden Regiefassung, bei der der Regisseur noch Änderungen vornahm und die Geschichte aus produktionstechnischer Sicht bearbeitet wurde, hatte ich keinen Anteil mehr.
J. Plötzner: Wie wichtig ist es als Autor(in), sich in die Charaktere der einzelnen Rollen hineinzuversetzen, um ein Drehbuch zu schreiben?
Chr. Kabus: Es ist sehr wichtig, denn nur so kann ich die Figuren lebendig und glaubwürdig darstellen. Besonders wichtig ist das bei den Episodencharakteren. Ich als Autorin muss sehr viel über sie und ihre Geschichte wissen, auch wenn der Zuschauer während der 45 Minuten nur einen Bruchteil davon erfahren wird. Aber nur wenn ich weis, was für eine Vergangenheit eine Figur hat, wo ihre Probleme, Eigenarten, Vorlieben etc. liegen, kann ich sie authentisch und lebensnah handeln lassen. Dann kann sich der Zuschauer in sie hineinversetzen und ihre Motive verstehen. Selbstverständlich ist es auch wichtig, die Eigenheiten und Hintergründe der einzelnen Küstenwachler gut zu kennen, um sie ihrem jeweiligen Charakter und Typ gemäß handeln, fühlen und sprechen lassen zu können.
J. Plötzner: Ist Ihnen das Schreiben „flüssig“ von der Hand gegangen oder gab es auch Momente in denen Ihnen nichts eingefallen ist?
Chr. Kabus: Meistens hatte ich das Gefühl, dass der Film bereits existiert und ich die Handlung „nur“ noch aufschreiben muss. Aber natürlich gab es immer wieder Situationen, wo es hakte und ich erstmal nicht weiter wusste. Weil ich zum Beispiel merkte, dass sich irgendwo eine logische Lücke auftat oder zeitlich der Ablauf nicht stimmte. Oder ein Änderungswunsch der Produzentin erforderte einen ganz neuen Denkansatz.
J. Plötzner: Waren Sie selbst schon einmal am Drehort in Neustadt/Holstein?
Chr. Kabus: Nein, leider nicht. Vielleicht habe ich aber bald die Gelegenheit für einen Abstecher dorthin, da ich demnächst nach Stralsund fahren will.
J. Plötzner: Wie sind Sie auf die Fanpage gestoßen?
Chr. Kabus: Ich entdeckte den Link auf der Küstenwachen-Seite des ZDF.
J. Plötzner: Wie finden Sie das Interesse der Fans an der Küstenwache?
Chr. Kabus: Ich war sehr überrascht. Zum einen über die liebevoll gestaltete Fanpage, der man ansieht, wie viel Zeit, Engagement und Enthusiasmus in sie gesteckt wird. Zum anderen über die große, regelmäßige Resonanz der Besucher und Serienfans. Ich finde es sehr beflügelnd, ein so aufmerksames, kritisches und vor allem begeistertes Publikum zu haben.
J. Plötzner: In meinem Forum schreiben die Fans ebenfalls an Geschichten zu einzelnen Episoden. Haben Sie schon einmal welche gelesen und wenn ja wie finden Sie die Geschichten?
Chr. Kabus: In ein paar habe ich hineingelesen und war beeindruckt von der Phantasie. Aber auch von der Tatsache, dass sie überhaupt geschrieben werden. Wie gesagt, mit so engagierten Zuschauern hatte ich nicht gerechnet.
J. Plötzner: Sind Sie schon neugierig darauf Ihre „Episode“ im Fernsehen zu sehen?
Chr. Kabus: Oh ja, sehr. Aber auch ziemlich nervös. Denn vieles wird ganz anders sein als in meiner letzten Drehbuchfassung. Manches musste gekürzt werden, manches hat der Regisseur geändert. Für mich wird die TV-Ausstrahlung also auch eine echte Premiere, bei der ich nicht genau weis, was mich erwartet.
J. Plötzner: Werden Sie weitere Episoden für die Küstenwache schreiben?
Chr. Kabus: Das möchte ich sehr gern. Gerade habe ich ein neues Exposé eingereicht und warte nun auf das Feedback von Opal. Und natürlich hoffe ich sehr, dass ich eine zweite Chance bekomme. Denn es hat mir großen Spass gemacht, für die Küstenwache zu schreiben.
J. Plötzner: Dann wünsche ich Ihnen weiterhin viel Erfolg und den Zuschauern spannende von Christine Kabus geschriebene Episoden.
