…..Claudia Wenzel und Rüdiger Joswig
In einem Gespräch mit Rüdiger Joswig am Rande der Dreharbeiten unterhielten wir uns auch über seine Reise nach Kanada, die er im September 2008 mit seiner Frau Claudia Wenzel, unternommen hat. Dabei sagte mir Rüdiger Joswig, daß er hierüber einen Reisebericht geschrieben habe.
Wir freuen uns, daß uns Rüdiger Joswig diesen Bericht für die Veröffentlichung auf der auf Seite www.kuestenwache.net zur Verfügung gestellt hat.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!!
emr
Quebec – Tagebuch einer Reise in Kanadas größte Provinz
Meine Frau, Claudia Wenzel, und ich hatten schon lange vor, endlich einmal nach Kanada zu reisen. Doch war es schwer, einen geeigneten Termin zu finden, da unsere Dreharbeiten meistens bis in den Dezember gehen. Und, obwohl die kalte Jahreszeit in dem populären Schlager „Winter in Kanada“ gepriesen wird, wollten wir doch lieber die erste Reise dorthin im Frühling oder noch besser im Herbst wegen des „Indian Summer“ unternehmen.
Nun traf es sich, dass wir beide im September 10 Tage frei hatten, für mich kam ein „Ersatzkapitän“ auf die „Albatros“ in der ZDF-„Küstenwache“, meine Frau hatte gerade die letzten Drehtage bei „In aller Freundschaft“ abgeschlossen.
Also nichts wie hin nach Kanada, nach QUEBEC!
Was würde uns erwarten? Das Klischee: horizontweite Wälder in denen Holzfäller in blau/ weiß- oder auch anders-karierten Hemden, whiskytrinkend ihrem gefahrvollen Job nachgehen, Elche zumeist auf Straßen laufen, Bären Lachse fangen und genüsslich verspeisen, riesige Seen und reißende Flüsse, die sich durch zerklüftete Bergschluchten ergießen, Wale, die Giganten der Meere, die sich übermächtig aus der tosenden See erheben…….?
Es sei schon vorweggenommen, das alles ist Kanada, ist Quebec, zu unser aller, der Touristen Glück, aber es ist noch viel, viel mehr …
1. Tag
Schon der Hinflug mit Air Canada war eine wahre Freude. Breite, bequeme Sitze, sehr guter Service, freundliche Flugbegleiter, die in beiden kanadischen Sprachen, Französisch und Englisch mit ihren Passagieren sprechen. Ein weiteres Klischee hätte ich fast vergessen: in der Provinz Quebec spricht man nur Französisch. Auch dieses trifft nicht zu. Fast alle „Québecois“ sprechen beide Sprachen, und wenn mal wirklich jemand, aus welchen Gründen auch immer, nur Französisch kommunizieren möchte, so ist stets jemand da, der auf Englisch hilft. Ankunft auf dem Flughafen, alles läuft reibungslos, terrorismusverdächtig scheinen wir nicht zu sein, und so lässt man uns nebst Gepäck passieren. Herrliches Wetter, eine Wohltat, nachdem wir Deutschland bei dem für die Jahreszeit typischen Schmuddelwetter verlassen hatten. Der Taxifahrer nimmt nicht die Autobahn, da dort Stau ist, ja, den gibt’s hier genauso wie bei uns, allerdings nur in unmittelbarer Nähe der Großstädte. Was wunder, Quebec ist mehr als 5x so groß wie Deutschland und hat nur ca.7,5 Mio. Einwohner, die zum größten Teil in den größeren Städten leben.
Ich glaube zum ersten Mal bin ich froh, dass auf einer Autobahn Stau ist. Unsere Fahrt geht daher auf wenig befahrenen Straßen an Villenvierteln unter grünen Bäumen entlang bis wir ganz plötzlich am Ufer des St. Lorenz-Stromes sind. Von hier, wo er „schmal“ ist, nur wenige Kilometer breit, erstreckt er sich 3800 km bis zum Atlantik. Wir ahnen seine Mächtigkeit und sehen staunend seine bewaldeten Gestade.
Plötzlich taucht die Skyline Montreals auf. Wolkenkratzer, die so typisch für die Großstädte des nordamerikanischen Kontinents, Australiens und großen Teilen Asiens sind. Bei uns sind sie allenfalls in Frankfurt a. M. zu bestaunen, in Mainhattan, sämtlichst Banken gehörend, daher werde ich hier und jetzt nicht weiter darauf eingehen.
Der Fahrer erklärt uns alles überaus freundlich. So auch die vielen Stromschnellen, denen die Montrealer ihren Schutz vor Eroberern verdankten, die sich in unfriedlichen Absichten von See her nähern wollten. Jetzt überspannen unzählige, z.T. sehr schöne alte Brücken den Strom, verbinden die Insel Montreal mit dem Festland und Kanäle lassen auch große, in friedlicher Absicht kommende Handelsschiffe in den Hafen der Hauptstadt der Provinz. Nach dem einchecken, den Jetlag überhaupt noch nicht spürend, machen wir uns gleich auf den Weg, die Stadt ein wenig zu erkunden. Da der Magen signifikante Zeichen von sich gibt, folgen wir einer Empfehlung des Taxifahrers und gehen in eine „Bagelkneipe“. Bagels sind eigentlich nicht eine unserer bevorzugten Speisen, doch hat er so davon geschwärmt, dass wir seinem Rat folgten. Tres bien, er hat recht, frisch im Backofen gefertigt, warm auf den Tisch mit allen möglichen Beilagen, genauso frisch. Eine tolle und sehr preiswerte Mahlzeit für zwischendurch.
Danach noch ein Bummel durch Chinatown, relativ klein hier, verglichen z.B. mit San Francisco oder New York, aber mit sehr viel Charme.
Dann brauchen wir doch ein wenig Schlaf, denn in Deutschland ist es bereits 0 Uhr.
Am Abend, bevor wir in einem französischen Restaurant „dinieren“, machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch die entzückende Altstadt und trinken in einem der unzähligen Cafes einen ausgezeichneten Espresso.
Das Restaurant ist äußerst geschmackvoll eingerichtet, der Service höflich, freundlich und kompetent und die Speisen delikat. Und preiswerter als in Deutschland, da die Durchschnittseinkommen hier geringer sind. Weine, ja auch ausgezeichnete Weine (rot wie weiß) gibt es in Kanada, z.T. aus der noch jungen einheimischen Produktion, kann man sich in Restaurants, di mit „BYO“ gekennzeichnet sind, selbst mitbringen. Die Weinauswahl ist ausgezeichnet.
Am Abend im Hotel lassen wir den Tag Revue passieren: Schon jetzt wissen wir, Kanada ist mehr als das Klischee. Es ist modern, offen und durchaus ein Ort, an dem Genießer auf ihre Kosten kommen. Den kulturellen Genuß nehmen wir uns für den nächsten Tag vor.
2. Tag
Natürlich haben wir etwas länger geschlafen und dann ein obstreiches Frühstück zu uns genommen, um ausgeruht in den Tag zu gehen. Zunächst steht ein Museumsbesuch auf unserem Programm, das Pointe-à-Callieres-Museum für Archäologie und Geschichte Montreals. Ein sehr modernes, liebevoll gestaltetes Museum, in dem wir viel über diese 2. Siedlung europäischer Einwanderer in diesem Teil Nordamerikas erfahren. Für mich sehr überraschend, das diese mit den vielzähligen Indianerstämmen sofort einen Friedensvertrag schlossen, wissend, daß nur im Frieden und mit gegenseitiger Achtung Handel, Zusammenleben und Entwicklung der Ansiedlungen möglich sind. Meines Wissens ist ein derartiger Friedensvertrag einmalig in der Geschichte der in den seltensten Fällen friedlichen Einwanderung und Eroberung neuer, fremder Kontinente. Aber meine Geschichtskenntnisse sind nicht sehr gut, also mag es noch die eine oder andere Ausnahme gegeben haben. Danach will Claudia unbedingt in die „Yves St.-Laurent-Austellung“, deren eine der wenigen Stationen Montreal ist und die in 3 Tagen nach San Francisco gehen wird.
(Bestimmt wurde sie auch wegen des Namens des Modeschöpfers nach Montreal geholt- St.LORENZ, aber das ist nur eine Annahme von mir. Wär doch möglich, oder?) Also jedenfalls wollte ich nicht mit rein – was interessiert mich eine Modeausstellung? Das einzige, was ich von Yves habe sind ein Paar YSL-Socken.
Bin dann doch mit rein und nach 2.Stunden voller Begeisterung wieder raus. Sollte diese Ausstellung nach Berlin kommen, gehe ich noch mal hin. Es ist einfach mehr als Mode, es ist Kunst und Geschichte und man erfährt viel über diesen einzigartigen Künstler, der in diesem Jahr viel zu früh verstorben ist.
Jetzt auf jeden Fall erst mal einen Espresso und dazu eine Pfeife. Letzteres ist hier selbst im Freien nicht einfach, aber dazu später noch einige „Auslassungen“.
Bummel durch Downtown, erste Sondierungen meiner Frau für den (natürlich) noch anstehenden, unvermeidlichen Einkaufsbummel. Kurzes Abendessen in einem (wiederum) geschmackvollen Restaurant in der Nähe der Oper, die wir für den Abend auserkoren haben. Auf dem Programm in dem riesigen Haus, alles ist riesig in diesem riesigen Land, steht eine uns unbekannte Oper von Puccini: „Das Mädchen aus dem (wilden) Westen“.
Nun, warum sie uns unbekannt ist, wissen wir jetzt. Fazit: wunderbare Sängerinnen und Sänger, herrliche Musik und eine fürchterliche Geschichte.
3. Tag
Eine vierstündige Radpartie steht auf dem Programm, auf sehr gut ausgebauten Radwegen geht unsere Tour an Kanälen vorbei bis hin zu einem großen Freizeitpark, der auf der einen Seite an eine lauschige Bucht grenzt auf der andern an den Lorenzstrom, auf dem große Schiffe ihren Weg suchen. Viel gepflegtes Grün, alles sehr sauber und eine herrliche Stille. (Das fällt übrigens auch überall auf, es ist sehr sauber, als Berliner hat man dafür ein besonderes Auge.) Auf dem Rückweg besuchen wir einen Markt, auf dem mich besonders die vielen Früchte und Gemüse anziehen und da es sogar Bioartikel gibt, kaufe ich gleich meine Lieblingsfrucht-Mango. Claudia holt noch eine Konfitüre und natürlich Ahornsirup, garantiert aus Kanada und nicht aus China.
Nach der Tour ruhen wir uns etwas aus, um gegen Abend zu einer weiteren Attraktion aufzubrechen, in den Botanischen Garten zur „Magie der Laternen“ – bezaubernd, verzaubernd, märchenhaft. Zum ersten mal genieße ich, dass alles aus China ist.
Und nun ins Restaurant „Au pied de Cochon“- „ Zum Bein des Schweines“. Für alle Liebhaber des Letzteren geradezu ein MUSS. Auch wir genießen es, da es sogar Fisch gibt.
Alles toll zubereitet von unzähligen Köchen, die, sämtlichst unter 30, vor den Augen des Gastes die Speisen zubereiten. Die Weinkarte ist exzellent.
4. Tag
Wir hätten Montreal nicht gesehen, wären wir nicht in der unterirdischen Stadt gewesen. Hier kann man bummeln, shoppen, wohnen in Hotels, die einen direkten Zugang haben, mit der U-Bahn fahren ohne, dass man an die Oberfläche muß. Dort kann es gerade zur Winterzeit sehr ungemütlich werden – über -20 Grad, stürmisch, sehr viel Schnee. Bei herrlichstem Wetter fahren wir auf den „Mount Royal“, dem größten Berg Montreals.
Hier kann man durch den wunderbaren Park schlendern, hat einen einzigartigen Blick über Montreal oder man legt sich einfach auf eine der Wiesen und freut sich seines Lebens. Kein Gebäude der Stadt darf übrigens höher sein als dieser Berg, ca. 260 Meter. Am Abend „verschlingen“ wir noch delikateste Sushis bei „Kaizen“ und lassen den Tag ruhig ausklingen.
5. Tag
Noch ein kurzer Bummel durch die belebten Strassen und Gassen Montreals und dann fahren wir zum Bahnhof, um mit dem Zug nach Quebec City zu reisen. Der Zug ist pünktlich und bequem, allerdings in Fragen Tempo und Ausstattung nicht mit unseren ICEs zu vergleichen, wenn diese denn pünktlich sind.
Vorbei an Wäldern, Wiesen und Feldern geht die Fahrt. Das ständige Tuten der Lok dient sicherlich der Sicherheit der Wildtiere, die es ja überaus zahlreich geben soll. Auf jeden „Québecois“ kommt mindestens ein Biber, bei Elchen und Bären ist das Verhältnis nicht so „ausgeglichen“, doch wir bekommen nur einige Rehe zu sehen. Gleiches ist uns schon auf „Kangaroo Island“ in Australien passiert, wo wir während einer 8-stündigen Fahrt, inklusive langen Spaziergangs kein einziges dieser putzigen Tierchen zu Gesicht bekamen.
Nach der Ankunft auf einem wunderschönen Jugendstilbahnhof in Quebec City ab ins Hotel und auf zum 1. Spaziergang. Zunächst stehen wir vor dem imposanten, alles überragenden, auf dem höchsten Punkt der Stadt von reichen Holzhändlern vor fast 100 Jahren errichteten Hotel „Chateau Frontenac“. Leider sind keine Zimmer mehr frei, wir hätten einen spektakulären Ausblick über Stadt, Hafen und die Bucht am St. Lorenz-Strom gehabt.
Na ja, beim nächsten Mal. So machen wir einen kleinen Bummel, bevor es dunkel wird. Im Hafen liegen 2 Kreuzfahrt-Schiffe, eines riesengroß, „Pricess of the Sea“ und das andere die „Queen Mary 2″ (hier meint Rüdiger Joswig mit Sicherheit die „Queen Elizabeth 2″ Anm. der Redaktion), auf ihrer letzten Fahrt, bevor sie zum Museum wird.
Hier begann vor 400 Jahren die Besiedlung durch Europäer, durch Franzosen. Hier ist der Ursprung Kanadas. Die Altstadt sparen wir uns für den nächsten Tag auf, jetzt gehen wir erst mal in einem der Top-Restaurants speisen, „Laurie Raphael“. Wieder eine gute Wahl.
6. Tag
Wir unternehmen eine Kutschfahrt, erfahren viel über die Geschichte der Stadt, aber vor allem genießen wir den Anblick der ihren 400sten Geburtstag feiernden Altstadt. Ja, sie wurde von Europäern erbaut, aber dennoch, ich weiß nicht wie ich’s erklären soll, wirkt sie auf mich nicht europäisch. Und das macht für uns auch den Reiz aus, denn alte Städte haben wir in Europa zu unserem Glück sehr viele.
Quebec City ist nicht nur die älteste Stadt Nordamerikas sondern auch noch eine der sichersten Großstädte der Welt. Ich hatte meine Jacke mit Geld und allen Papieren auf einer Bank liegen gelassen, sie lag auch nach 10 Minuten noch da. Die Menschen schließen weder ihre Autos noch ihre Häuser ab -beneidenswert. Wir kommen aus dem Staunen über diese schöne Stadt nicht heraus und finden nur Worte der höchsten Bewunderung. Sie zu beschreiben, würde viele Seiten benötigen. Dieses Kleinod, in dieser Lage, muß man einfach gesehen haben.
Danach fahren wir zu einem Wasserfall, wo ich mich unter professioneller Anleitung neben dem Fall 23 Meter tief abseile und danach unter ihm baden gehe, natürlich im wärmenden Neopren. Abenteuer- das verbinden wir alle mit Kanada und dazu atemberaubende Naturkulisse.
So vergeht wider ein angenehmer Tag voller Überraschungen. Am Abend entdecken wir ein sehr schönes französisches Restaurant und erfahren ein weiteres Mal, dass man in jeder Preisklasse genießend speisen kann.
7. Tag
Endlich geht es in die Natur. Endlich, weil ich eigentlich kein „Stadtbesucher“ bin sondern die See, Berge und Wälder bevorzuge. Allerdings muß ich zugeben, dass ich keinen einzigen Tag in Quebec City und Montreal bereue. Wir fahren in einen kleinen Künstlerort – Baie Saint-Paul- entzückend, malerisch. Was Wunder, denn hier leben viele Maler.
Zum kleinen Mittagessen kehren wir in das Restaurant einer kleinen Brauerei ein. Als der Besitzer erfährt, dass deutsche Gäste da sind, lädt er uns gemeinsam mit seiner Gattin zu einer Bierprobe ein, wohl annehmend, dass jeder Deutsche Bier liebt. Obwohl wir Wein bevorzugen, wird dieser Nachmittag uns lange in Erinnerung bleiben, weniger wegen des Bieres sondern dieses so angenehmen Paares wegen. Die kleinen Biergläschen tranken wir natürlich leer, es schmeckte auch, aber das angeregte Gespräch war uns wichtiger. Doch gut zu wissen, dass in Kanada auch Biertrinker genussvoll überleben werden, Prost.
Unser Zeitplan hieß uns leider bald aufbrechen, denn wir hatten uns noch zu einer Kanutour auf dem Malbaie angemeldet. Der Fluß strömt durch ein zum Nationaldenkmal erklärtes Tal, das von den höchsten Bergen Ostkanadas gerahmt ist. Allein, nur wir beide im Kanu, vorbei an atemberaubender Kulisse, durch eine Stille, in der nur die Natur „spricht“- ein Traum!
Ein Abendessen im geschmackvollen Ambiente unseres ebenfalls sehr ruhig gelegenen Hotels, „Des Falaises“ in La Malbaie, rundet den Tag ab. Von hier überblickt man den St. Lorenz und— auf der überdachten Terrasse darf ich auch meine Pfeife rauchen, ohne dass ich wie ein Aussätziger angeblickt werde.
8. Tag
Nach einem fruchtigen Frühstück auf der Terrasse, machen wir uns auf den Weg zu unserem nächsten Abenteuer- in den Abenteuer-Park „Les Palissades“. Hier erwartet uns ein echter Bergsteiger, ein Mount Everest- Bezwinger, der gerade dort war, als ein deutscher Bergsteiger vor wenigen Monaten tödlich verunglückte.
Mit heiterer Freundlichkeit empfängt er uns und erklärt uns, was jetzt auf uns zukommt. Wir werden, selbstverständlich perfekt gesichert, an einem Seil hängend in 20 Metern Höhe über einen tiefen, sehr kalten See „rollen“. Gesagt getan. Leider geht es viel zu schnell. Wir wären gern noch einige Male „rübergerollt“, mit hohem Adrenalin-Ausstoß, vor Freude jauchzend, aber die Zeit drängt, da wir noch etwas ganz Außergewöhnliches vorhaben.
(Ja, wir haben uns ein sehr gedrängtes Programm auferlegt, um möglichst viele Eindrücke zu bekommen, die wir dann bei dem geplanten, mindestens 4-wöchigen Urlaub vertiefen werden.) So müssen wir dieses Mal leider den Ausflug in den Berghang streichen. Das ist ein mehrere Stunden dauernder Klettergang durch den steilen Hang eines Berges, immer am Abgrund lang, aber natürlich durch Seile gesichert. Unsere Filmausfallversicherung, die für uns als Schauspieler immer abgeschlossen werden muß, wenn wir drehen, hätte bestimmt ‚Kopf gestanden‘, sobald sie davon erfahren hätte. Nach herzlicher Verabschiedung und dem versprechen wieder zu kommen, rein ins Auto.
Im Hafen von Baie Sainte-Catherine werden wir zunächst in Ölzeug verpackt, drunter einen dicken Pullover, eine Mütze auf, denn es geht raus auf den „Sankt Lorenz“, der hier schon über 25 km. breit ist, zur——Walbeobachtung, wenn wir Glück haben. Und wir haben. Bei leichtem, aber arsc….kaltem Wind sehen wir mindestens 30 Finnwale, einen Buckelwal und 2 oder 3 Belugas, manchmal ganz nah am Boot, auf uns zu schwimmen, als würden sie uns umkippen wollen. Doch ihr ausgezeichnetes Sonarsystem verhindert jede Kollision. Es ist kaum mit Worten zu beschreiben, wie überaus beeindruckend der Anblick dieser Giganten der Meere ist. Man muß einfach selbst hinfahren und sich diese Tour gönnen. Nach 4 Stunden sind wir voll dieser Einrücke zurück an Land und verabschieden uns von der kompetenten Besatzung. Natürlich habe ich noch ein Paar Worte mit dem Kapitän gewechselt, der sehr erfreut war einen „Schauspielerkapitän“ der „German Coastguard“ an Bord gehabt zu haben.
Noch ein Espresso, ein Pfeifchen, draußen natürlich, Gesicht in die Sonne, denn an Land sind’s wieder 27 Grad, und die Bilder der letzten Stunden Revue passieren lassen.
Auf der Rückfahrt kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. An manchen Stellen beginnen die Wälder zu brennen oder goldgelb zu leuchten, dazwischen sattes Grün und Maronenbraun- wir erleben den Beginn des „Indian Summer“. Wenn das der Beginn ist, wie muß er dann erst in 3 Wochen leuchten? Beim nächsten Mal sagen wir zum wiederholten Mal. Im Hotel ein Bad nehmen, ins Reisetagebuch schreiben, dann ist auch schon wieder Zeit, wiederum einen Teil der Gourmet-Küche Quebecs zu testen, im „Auberge Des 3 Canards“- äußerst delikat, aber wir hatten auch gar nichts anderes erwartet.
9. Tag
Mit dem Zug zurück nach Montreal, an besagten „brennenden Wäldern“ vorbei.
Hier angekommen, findet meine Frau endlich ein wenig Zeit für’s Shoppen (sämtliche große Marken sind hier natürlich vertreten). Für unseren Abschiedsabend haben wir uns das „Newtown“ ausgesucht. Besitzer ist der Formel I- Rennfahrer Jacques Villeneuve. Der ist leider nicht da, aber der Koch, und der ist sehr gut. Wie sein Chef im Boliden ist er am Herd.
10. Tag
Noch ein letzter Spaziergang durch Montreal, vorbei an unzähligen Kirchen, die Stadt hat davon über 270, in die Altstadt. Einige Souvenirs, natürlich den Maple-Sirup für die zu Hause, mit der Kamera noch einige Eindrücke festhalten, ab ins Hotel, Koffer packen und dann zum Flughafen.
Während des Fluges reden wir noch viel über die unzähligen Eindrücke, die in diesen 10 Tagen im Schnelldurchgang auf uns eingestürmt sind. Und wir wissen- wir kommen auf jeden Fall wieder!!!
Vielleicht sind die Kanadier dann etwas toleranter gegenüber Rauchern und behandeln sie nicht wie Aussätzige. Bitte ein wenig von der Liberalität wie sie bei uns herrscht. Ich bin für das Rauchverbot, aber dort wo wir Nichtrauchern den Rauch nicht in die Augen blasen bzw. in die Nasen, kann man uns rauchen lassen und auch gut behandeln, oder?
Als in den USA die (nutzlose) Prohibition herrschte, wurde Montreal als „Sin City“ von US-Amerikanern bezeichnet. Also gebt Euch etwas vom ‚Sündigen‘ zurück.
Dann muß ich mich schon wieder auf die Arbeit konzentrieren. In Deutschland ist bereits der nächste Tag und ich muß Morgen um 5.30 aufstehen, auf der Brücke der „Albatros“ stehen und Verbrecher jagen. Na los, schlafen!
Text Reisetagebuch: Rüdiger Joswig
Fotos:emr
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